Stuttgart, 6. Mai 2004. Die Ehe liegt den Deutschen wieder besonders am
Herzen: In Europas größtem Vertrauens-Test hat die Institution der Ehe
ihren Spitzenplatz zurückerobert. Zuletzt hatte die Institution der Ehe im Jahr
2001 vorne gelegen. Nun zog sie, wenn auch knapp, am Vorjahressieger
Polizei vorbei, der auf den zweiten Rang kam. Bei Bundesregierung und
Gewerkschaften hielt der Negativtrend dagegen an: Beide Institutionen
haben weiter deutlich an Vertrauen verloren und landeten auf den letzten
Plätzen der Studie. Unter den 14 untersuchten Institutionen gelten
Regierung und Gewerkschaften damit erneut als am wenigsten
vertrauenswürdig. Auch die Europäische Union büßte Vertrauen ein, konnte
sich aber im Mittelfeld der Tabelle behaupten. Nach den Engländern sind die
Deutschen die größten Euro-Skeptiker in Europa, teilte der Verlag Reader's
Digest Deutschland in Stuttgart mit, der die Studie durchgeführt hat.
Angesichts der großen wirtschaftlichen und weltpolitischen Unsicherheiten
wissen die Deutschen stabile Verhältnisse zu schätzen - im öffentlichen
Leben genauso wie im Privaten. 76% der Deutschen sprachen der Institution
der Ehe ein "sehr hohes" bzw. "ziemlich hohes" Vertrauen aus, bei der
Polizei waren es 73%. Auch der Bundeswehr bringen die Deutschen großes
Vertrauen entgegen: Die Mannschaft von Bundesverteidigungs-minister Peter
Struck gilt bei 59% der Deutschen als "sehr" bzw. "ziemlich"
vertrauenswürdig und landete damit auf Platz vier.
Die Bundesregierung verliert dagegen weiter Vertrauen in der Bevölkerung
und hat in der Vertrauenstabelle sogar die rote Laterne von den
Gewerkschaften übernommen. Lediglich 14% der Bevölkerung bringen dem
Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder ein "sehr hohes" bzw.
"ziemlich hohes" Vertrauen entgegen, elf Prozentpunkte weniger als im
Vorjahr. Bereits im Vorjahr hatte die Bundesregierung zwei Prozentpunkte
verloren. Damit wiesen die Deutschen ihrer Regierung einen der niedrigsten
Vertrauenswerte Europas zu - in der Studie fuhren nur die Regierungen von
Polen, Tschechien und der Slowakei weniger Punkte ein. Vor allem bei der
Renten- und Beschäftigungspolitik haben die Deutschen das Vertrauen in ihre
Regierung verloren. Dagegen genießt die Umweltpolitik immerhin bei 42% der
Deutschen ein "sehr hohes" bzw. "ziemlich hohes" Vertrauen.
Auch die Europäische Union verlor Vertrauen und blieb um neun Punkte unter
ihrem Vorjahreswert. Mit 33% landete sie aber auf Platz neun und damit
immer noch deutlich vor Regierung und Gewerkschaften.
Auch die Gewerkschaften leiden unter Vertrauensentzug. Ihr Vertrauenswert
ging erneut um acht Prozentpunkte zurück. Nur 16% der Deutschen bringen
den Gewerkschaften ein "sehr hohes" bzw. "ziemlich hohes" Vertrauen
entgegen - im europäischen Vergleich ein Rekordtiefwert. In keinem anderen
der untersuchten europäischen Länder sprachen die Menschen ihren
Gewerkschaften ein geringeres Vertrauen aus. Trotzdem reichte es in der
deutschen Vertrauenswertung erstmals für eine Platzierung knapp vor der
Bundesregierung - auf dem vorletzten Platz.
Der Euro arbeitet sich langsam aus seinem Vertrauens-Tief hoch. Landete er
ein Jahr nach seiner Einführung noch bei einem Wert von 33%, kam die
Gemeinschaftswährung nun auf 35% und näherte sich damit ihrem Wert von
2001/2002 (39%). Im europäischen Vergleich offenbaren sich die Deutschen
aber nach wie vor als Euro-Skeptiker. Selbst die Schweizer, die den Euro nur
aus anderen Ländern kennen, bringen ihm mit 41% mehr Vertrauen
entgegen als die Deutschen. Der durchschnittliche Vertrauenswert des Euro
in Europa beträgt 52%. Am tiefsten ist er erwartungsgemäß in England
(18%).
Das Vertrauen in die Kirche ging europaweit leicht zurück. Deutschland lag im
Trend: Hier kam die Kirche auf 37% gegenüber 41% im Vorjahr.
Das Radio behauptete seine Stellung als vertrauenswüdigste Mediengattung.
Der Vertrauenssieger von 2002 landete wie im Vorjahr auf Platz drei. Mit
einem Wert von 72% liegt das Radio nach wie vor deutlich vor dem
Fernsehen, das gegenüber dem Vorjahr fünf Prozentpunkte verlor und auf
55% kam.
Über die Studie
Mit der Studie "Reader's Digest European Trusted Brands 2004" hat das
Magazin Reader's Digest zum vierten Mal die vertrauenswürdigsten
Institutionen, Marken und Berufe in 14 Ländern Europas ermittelt. Rund
30.000 Menschen beteiligten sich von September bis November vergangenen
Jahres an der Umfrage, davon 8.100 allein in Deutschland. Die Ergebnisse
wurden repräsentativ zur jeweiligen Altersstruktur der Bevölkerung ermittelt.
Damit ist die jährlich durchgeführte Studie "Reader's Digest European Trusted
Brands 2004" die aktuell größte europaweite Verbraucheruntersuchung,
teilte Reader's Digest Deutschland in Stuttgart mit. Ihre Ergebnisse finden
weit über Fachkreise hinaus Beachtung.
Erste Ergebnisse über die vertrauenswürdigsten Marken wurden bereits
veröffentlicht. Markenklassiker wie AOL, Asbach, Aspirin, Miele, Nivea,
Persil, Schwarzkopf, Siemens, Sparkasse und TUI haben auch in der
Neuauflage von Europas größter Verbraucherstudie klar die Nase vorn und
genießen das meiste Vertrauen der Deutschen. Allerdings haben die
Traditionsmarken der Hersteller das Vertrauen der Konsumenten nicht
gepachtet: Noch nie zuvor haben die Deutschen eine so große Vielzahl von
Marken als die für sie persönlich vertrauenswürdigsten angesehen. Damit
wird es selbst für Marken-Klassiker immer aufwändiger, ihre Spitzenposition
auf Dauer zu halten. Gleichzeitig haben die als günstiger geltenden
Handelsmarken ihren Platz in der Gunst der Verbraucher erobert - allen voran
Aldi.
Über Reader's Digest
Das Magazin Reader's Digest ist die meistgelesene Zeitschrift der Welt. Allein in Europa haben 4,7 Mio. Menschen eine der 20 europäischen Ausgaben von
Reader's Digest abonniert. Neben dem Magazin erscheinen bei Reader's
Digest Bücher, Hörbücher, Musik- und Videokollektionen.
Wie Deutsche und Europäer ihren Institutionen vertrauen
Das Vertrauen in folgende Institutionen ist "sehr hoch" bzw. "ziemlich
hoch" [in %, Ergebnisse aus dem Vorjahr in Klammern]
Ehe Polizei Radio Bundeswehr / Armee Post Fernsehen Öffentliche Verkehrsmittel Presse Europäische Union Kirche Euro Internationale Unternehmen Gewerkschaften (Bundes-) Regierung |
Deutschland 76 (74) 73 (75) 72 (74) 59 (61) 55 (62) 55 (60) 43 (49) 42 (47) 33 (42) 37 (41) 35 (33) 34 (32) 16 (24) 14 (25) |
Europa 73 (73) 56 (59) 72 (74) 59 (59) 71 (69) 57 (62) 56 (53) 47 (47) 42 (45) 43 (46) 52 (53) 36 (35) 29 (31) 28 (33) |
Quelle: Reader's Digest European Trusted Brands 2004
Für Interviews steht Solvey Friebe, Projektleiterin für die Studie bei Reader's
Digest Deutschland, gerne zur Verfügung. Ab sofort gibt es auch die
Executive Summary der Studie.
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