Wien, 1. April 2009. Die Politik hat bei weiten Teilen der Bevölkerung deutlich Vertrauen verloren. 86% der Österreicher erklärten in einer repräsentativen Umfrage für das Magazin Reader’s Digest, Politikern weniger zu vertrauen als vor fünf Jahren. Damit erzielt Österreich einen europäischen Spitzenwert: In keinem anderen Land Europas hat die Umfrage einen derart großen Vertrauensverlust der Politik ermittelt wie in Österreich. Ungarn und Tschechien folgen mit 79% bzw. 78%, Deutschland mit 77%.
Einen ähnlich großen Vertrauensverlust wie Österreichs Politiker im allgemeinen verzeichnet insbesondere die Bundesregierung (79%). Mit deutlichem Abstand folgen die Europäische Union (61%), internationale Unternehmen (56%) und die Werbung (55%). Die Wirtschafts- und Finanzkrise geht mit einer massiven Vertrauenskrise der Institutionen einher, so die aktuelle Studie „European Trusted Brands 2009“, die das Magazin Reader’s Digest jetzt vorgelegt hat.
Dabei gehen die Österreicher vor allem mit ihren politischen Repräsentanten härter ins Gericht als ihre europäischen Nachbarn. Der Vertrauensverlust der Politik zieht sich zwar quer durch Europa. Die Zahlen für Österreich liegen jedoch deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Der Vertrauensverlust erfasst aber auch weite Teile der Wirtschaft, wobei die Banken erstaunlich glimpflich davonkommen. So geben 38% der Befragten in Österreich an – gegenüber 43% der Befragten im europäischen Durchschnitt –, den Banken weniger zu vertrauen als vor fünf Jahren.
Allen Krisen zum Trotz gibt es Institutionen, die unverändert großes Vertrauen genießen. Anwälte, Lehrer, Ärzteschaft sowie Beamtentum, Topmanager und Medien können sich darüber freuen, dass ihnen ein Großteil der Bevölkerung gleich viel Vertrauen entgegenbringt wie vor fünf Jahren.
Lehrer und Ärzteschaft gehören sogar zu jenen raren Institutionen, denen zumindest ein kleiner Teil der Bevölkerung einen Zuwachs an Vertrauen in den vergangenen fünf Jahren attestiert. 10% der Befragten bringen den Lehrern ein größeres Vertrauen entgegen, und bei den Ärzten sagen dies sogar 20%. Immerhin 12% der Österreicher bringen Umweltschützern ein größeres Vertrauen entgegen als vor fünf Jahren. Damit belegt die Studie, dass die Österreicher das Thema Umweltschutz weit oben auf ihrer Agenda sehen.
Ändert sich unser Vertrauen in Institutionen?
Vergleichen Sie es einmal mit fünf Jahren zuvor – vertrauen Sie folgenden Institutionen bzw. Personen heute mehr oder weniger als vor fünf Jahren?[Antworten zu 18 vorgegebenen Institutionen. Basis: 23.287 Befragte in 16 europäischen Ländern, davon 987 Befragte in Österreich]
| Vertraue weniger als vor fünf Jahren |
Vertraue weniger als vor fünf Jahren | ||
| Nr. | Institution / Personen | Österreich | Europa |
| 1. | Politiker | 86% | 71% |
| 2. | Regierung | 79% | 59% |
| 3. | Europäische Union | 61% | 41% |
| 4. | Internationale Unternehmen | 56% | 49% |
| 5. | Werbung | 55% | 56% |
| 6. | Zeitschriften | 40% | 31% |
| 7. | Banken, Kirchenführer | 38% | 43% bzw. 38% |
| 8. | Tageszeitung | 37% | 30% |
| 9. | Vereinte Nationen | 36% | 30% |
| 10. | Fernsehen | 33% | 30% |
| Vertrauen ist gleich wie vor fünf Jahren |
Vertrauen ist gleich wie vor fünf Jahren | ||
| Nr. | Institution / Personen | Österreich | Europa |
| 1. | Anwälte | 78% | 66% |
| 2. | Lehrer | 74% | 72% |
| 3. | Ärzte | 72% | 72% |
| 4. | Beamte | 64% | 54% |
| 5. | Unternehmensführer | 61% | 45% |
| 6. | Fernsehen | 60% | 59% |
| 7. | Tageszeitung,Vereinte Nationen | 56% | 61% bzw. 58% |
| 8. | Umweltschützer, Internet, Banken |
55% | 50%, 50%, 48% |
| 9. | Kirchenführer | 54% | 51% |
| 10. | Zeitschriften | 53% | 60% |
Über die Studie
Zum neunten Mal hat das Magazin Reader’s Digest in 16 europäischen Ländern ermittelt, welche Institutionen und Marken in den Augen der Verbraucher besonders vertrauenswürdig sind. Mehr als 23.000 Leser beteiligten sich von September bis Oktober vergangenen Jahres an der Umfrage der meistgelesenen Zeitschrift der Welt, davon rund 1.000 allein in Österreich. Die gewichtete Datenbasis der repräsentativen Studie umfasst 23.287 Befragte in Europa, davon 987 in Österreich. Damit ist die jährlich durchgeführte Studie „Reader’s Digest European Trusted Brands 2009“ die aktuell größte europaweite Verbraucheruntersuchung. Mehr als 190.000 Menschen haben seit 2001 an der Studie teilgenommen. Ihre Ergebnisse finden weit über Fachkreise hinaus Beachtung.
Die Ergebnisse der vertrauenswürdigsten Marken wurden bereits veröffentlicht. In den 32 erhobenen Produktkategorien von A wie Automobile bis Z wie Zahnpasta/Mundpflege setzten sich in Österreich vor allem Markenklassiker erneut an die Spitze, Hier die Marken für 32 Produktkategorien im Überblick, die von den Österreichern als die aus ihrer Sicht vertrauenswürdigsten genannt wurden: A1, Aspirin, Baumax, Blend-a-med, Canon, Frosch, Geox, Henkell, Hewlett Packard, Kellogg’s, Miele, Milka, Nivea, Nokia, Nöm, OMV, Persil, Raiffeisen, Recheis, Schwarzkopf, Spar, Spitz, Supradyn, Telekom Austria, TUI, Uniqa, Visa, Vögele sowie Volkswagen und Yves Rocher.
Einen Überblick über die Ergebnisse in Europa gibt es auf www.rdtrustedbrands.com.
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