Wien / Stuttgart, 11. April 2006. Nur ein Zehntel der Österreicher befürwortet einen größeren Einfluss der Europäischen Union, für zwei Drittel der Österreicher ist er derzeit schon zu groß. Dies geht aus Europas größter Verbraucherstudie „Reader’s Digest European Trusted Brands“ hervor. Das meiste Vertrauen bringen die Österreicher der EU in der Sicherheitspolitik entgegen, das geringste in der Einwanderungspolitik.

 

Ein großer Teil der Österreicher betrachtet die Europäische Union mit Skepsis. 63% wünschen sich einen geringeren Einfluss der EU, während es 23% beim heutigen Einfluss der EU belassen möchten. Nur 10% der Befragten haben sich für einen größeren Einfluss der Europäischen Union in Österreich ausgesprochen. Die Gründe für das eher negative Votum: 89% der Österreicher finden, dass es in der Europäischen Union zuviel Bürokratie gibt. 84% sehen die Zahlungen Österreichs an die Europäische Union als zu hoch an. Zudem meinen 81%, dass die Subventionen nicht fair verteilt werden. Kein Wunder, dass 79% der Österreicher eher der Bundesregierung vertrauen als der EU-Kommission. 90% sprachen sich gegen einen EU-Beitritt der Türkei aus.

 

Zum geringen Vertrauen in die EU trägt auch ein Informationsdefizit bei. Mehr als die Hälfte der befragten Österreicher (56%) fühlt sich nicht gut über die Europäische Verfassung informiert. 67% aller Europäer sehen dies genauso.

 

Österreicher, Briten und Finnen besonders EU-kritisch

Mit diesen eindeutigen Aussagen stehen die Österreicher an vorderster Front der EU-Kritiker. Die Fragen wurden ingesamt 25.000 Personen in 14 Ländern gestellt. Nur in Großbritannien bringt die Bevölkerung der Europäischen Union noch weniger Vertrauen entgegen. 67% der Briten wünschen sich einen geringeren Einfluss der Europäischen Union auf ihr Land, in Finnland sind es 57%. Die Gegenposition besetzen Spanien und die noch jungen EU-Mitglieder in Osteuropa wie Polen, wo sich 71% bzw. 77% der Bevölkerung einen größeren Einfluss der Europäischen Union auf ihr Land wünschen.

 

Sicherheitspolitik top, Einwanderungspolitik flop

Bei den Österreichern punktet die Europäische Union vor allem mit der Sicherheitspolitik. Fast die Hälfte der Österreicher (45%) bringt der Europäischen Union in Sicherheitsfragen ein „sehr großes“ bzw. „ziemlich großes“ Vertrauen entgegen. Zwei Fünftel der Österreicher (39%) sprachen sich positiv zur Handelspolitik aus, bei der Gesundheitspolitik waren es sogar 44%. Allerdings vertrauen nur 25% der Europäischen Union in der Agrarpolitik. Bescheiden fielen die Zustimmungsquoten bei der Umweltpolitik (21%), Beschäftigungspolitik (11%) und Einwanderungspolitik (9%) aus.

 

Über die Studie „Reader’s Digest European Trusted Brands 2006“

Zum sechsten Mal hat das Magazin Reader’s Digest in 14 europäischen Ländern auf der Basis von unbeeinflussten Verbrauchervoten das Vertrauen in Marken und Institutionen ermittelt. Rund 26.000 Reader’s Digest-Leser, davon über 900 in Österreich, haben sich von September bis November vergangenen Jahres an der Umfrage beteiligt. Die Ergebnisse werden repräsentativ zur jeweiligen Altersstruktur der Bevölkerung ausgewiesen. Mehr als 130.000 Menschen beteiligten sich seit 2001 an der Befragung und machten sie so zur größten europäischen Verbraucherstudie.

 

Neben Institutionen untersucht die Studie das Vertrauen in Marken. Hier die vertrauenswürdigsten Marken Österreichs für 30 Produktkategorien im Überblick: A1, A-Online, Aspirin (2x), Canon, Cif, Eduscho, H&M, Henkell, IBM, Iglo, Kellogg’s, Mentadent C, Miele, Milka, Nivea (3x), Nokia, OMV, Persil, Raiffeisenbank, Spar, Spitz, Supradyn von Bayer, TUI, Uniqa, Visa, Voeslauer, Volkswagen.

 

Wie halten es die Österreicher mit der Europäischen Union?

Antworten zu zehn ausgewählten Aussagen:

 

 Reihenfolge  Aussage  Zustimmung Österreich  Ablehnung Österreich Zustimmung Europa Ablehnung Europa
 1. In der EU gibt es zuviel Bürokratie.  89%  9%  83%  13%
 2. Mein Heimatland zahlt zuviel an die EU.  84%  13%  68%  27%
 3. Ich vertraue der Regierung meines Heimatlandes mehr als der EU-Kommission.  79%  19%  56%  41%
 4. Der Euro ist eine positive Entwicklung.  57%  40%  54%  42%
 5. Europa wird künftig in der Welt eine größere Rolle spielen.  50%  46%  58%  39%
 6. Ich sehe die Entwicklung der EU als eine Bedrohung der Kultur meines Landes.  48%  49%  35%  62%
 7. Ich bin über die geplante europäische Verfassung gut informiert.  42%  56%  30%  67%
 8. Die EU-Mitgliedschaft hilft Österreich, Fortschritte zu machen.  38%  59%  49%  48%
 9. Die Subventionen werden gerecht auf die Mitgliedsländer verteilt.  16%  81%  23%  73%
 10. Ich unterstütze den Beitritt der Türkei zu EU.  8%  90%  29%  68%

Die Prozentangaben addieren sich nicht auf 100%, da nicht jeder Befragte sämtliche Fragen zum Thema Europäische Union beantwortete. Dies gilt auch für die folgende Tabelle.

 

Sollte die Europäische Union mehr Einfluss in meinem Heimatland haben?

Antworten aus 14 Ländern:

Reihenfolge  Land  Mehr Einfluss  unverändert  weniger Einfluss 
1. Polen  77%  17%  2% 
2.  Spanien  71%  20%  6% 
3.  Russland  51%  33%  10% 
4.  Portugal  51%  26%  20% 
5.  Ungarn  42%  37%  17% 
6.  Belgien  42%  34%  19% 
7.  Frankreich  41%  34%  21% 
8.  Tschechien  35%  36%  26% 
---  Europ. Durchschnitt  35%  31%  30% 
9.  Niederlande  25%  38%  34% 
10.  Deutschland  20%  36%  39% 
11.  Schweiz  13%  48%  33% 
12.  Österreich  10%  23%  63% 
13.  Finnland  9%  29%  57% 
14.  Großbritannien  7%  25%  67% 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In welchen Politikbereichen vertrauen die Österreicher der Europäischen Union?

Zustimmung in Prozent:

Reihenfolge  Politikbereich    Österreich     Europa   
 1.  Sicherheitspolitik  45%  47%
 2.  Gesundheitspolitik  44%  43%
 3.  Handelspolitik  39%  47%
 4.  Agrarpolitik  25%  25%
 5.  Umweltpolitik  21%  46%
 6.  Beschäftigungspolitik  11%  20%
 7.  Einwanderungspolitik      9%  19% 

 

 

 

 

 

 

 

 

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