Stuttgart, 22. März 2004. Auch wenn West- und Ostdeutsche in ihrem
Konsumverhalten zum großen Teil ein einig Marken-Volk geworden sind,
behaupten sich in einigen Produktfeldern die Ostklassiker. "Ossi-Läden" und
vergleichbare Geschäftsgründungen machen sogar guten Umsatz, indem sie
bekannte Ostklassiker in ihre Verkaufsregale aufnehmen: "Made in Eastern
Germany" erlebt vor allem bei Waren des täglichen Bedarfs eine
Renaissance. "Sag mir, was du isst oder trinkst und ich sage dir, aus
welchem Teil Deutschlands du kommst". Nach diesem Motto lässt sich
zwischen den beiden Teilen Deutschlands auch heute noch - mehr als 13
Jahre nach der Wiedervereinigung - eine klare Grenzlinie ziehen.
Dies geht aus der größten Verbraucherstudie Europas hervor, die das
Magazin Reader's Digest unter seinen Lesern in 14 europäischen Ländern
durchgeführt hat. Rund 30.000 Menschen beteiligten sich von September bis
November vergangenen Jahres an der Umfrage der meistgelesenen
Zeitschrift der Welt, davon 8.100 allein in Deutschland. Die Ergebnisse
wurden repräsentativ zur jeweiligen Altersstruktur der Bevölkerung ermittelt.
Damit ist die Studie "Reader's Digest European Trusted Brands 2004" die
aktuell größte europaweite Verbraucheruntersuchung, teilte Reader's Digest
Deutschland in Stuttgart mit.
Die häufigsten Ost-West-Differenzen hat die Studie bei Getränken und
Nahrungsmitteln ausgemacht. In Westdeutschland vertrauen die Menschen
vor allem den Speisen aus dem Hause Maggi, während die Ostdeutschen
Nudeln von Riesa bevorzugen. Bei den Erfrischungsgetränken hat sich im
Westen Gerolsteiner an die Spitze gesetzt. Im Osten genießt Lichtenauer
das meiste Vertrauen. Bei den Spirituosen vereinte im Westen Asbach die
meisten Verbraucherstimmen auf sich, im Osten Wilthener. Unter den
Milchprodukten genießt Sachsenmilch das meiste Vertrauen der
Ostdeutschen, während die Westdeutschen vor allem Müller vertrauen. Die
beiden Gewinner-Marken bei den Milchprodukten kommen allerdings aus dem gleichen Haus: Sowohl Müller als auch Sachsenmilch gehören der
Unternehmensgruppe Theo Müller.
Ein firmeninternes Kopf-an-Kopf-Rennen liefern sich auch Rotkäppchen und
Mumm: Die West-Gewinner-Marke Mumm gehört der Ost-Gewinner-Marke
Rotkäppchen. Die ostdeutsche Traditionsmarke Rotkäppchen hat sogar in
der deutschlandweiten Betrachtung eindeutig die Nase vorn und damit ihren
knappen Vorsprung gegenüber dem Vorjahr deutlich ausgebaut: Sie erhielt in der Vertrauenswahl bundesweit 32% der Verbraucher-Stimmen, während
Mumm auf 15% kam.
Deutliche Unterschiede treten bei weiteren Ost-Klassikern auf. Während die
Westdeutschen den Uhren der Marke Junghans am meisten vertrauen,
stehen die Ostdeutschen zum Hersteller Glashütte. Persil genießt nur im
Westen des Landes das größte Vertrauen der Waschmittel-Verbraucher und
wird im Osten von Spee übertroffen. Bei den Haushaltsreinigern ist Frosch
die vertrauenswürdigste Marke der Westdeutschen und Fit der Favorit der
Ostdeutschen.
Auch beim liebsten Kind der Deutschen, dem Auto, gehen die Meinungen
auseinander. Im Westen erhielt Mercedes die meisten Stimmen bei der
Vertrauensfrage, im Osten Volkswagen. Hier dürfte das Wohlstandsgefälle
eine Rolle spielen, ebenso wie bei der Bekleidung: In Westdeutschland gilt
Hugo Boss als vertrauenswürdigste Bekleidungsmarke, in Ostdeutschland
C&A.
In zahlreichen Produktfeldern ist aber bereits zusammengewachsen, was
zusammengehört. Zum Beispiel wird der Sparkasse sowohl im Westen als
auch im Osten Deutschlands das meiste Vertrauen ausgesprochen. Unter
den Versicherern genießt die Allianz in beiden Teilen Deutschlands das
meiste Vertrauen der Verbraucher. Auch bei High-Tech-Produkten wie
Computern und Mobiltelefonen gibt es keine Trennung mehr zwischen West
und Ost: In diesen Produktkategorien stehen Siemens und Nokia in beiden
Teilen Deutschlands unangefochten auf Platz eins der Vertrauensskala. Und
bei der Reise in die schönsten Wochen des Jahres vertrauen die Deutschen
in Ost wie West vor allem der Marke TUI.
Für Interviews steht Solvey Friebe, Projektleiterin für die Studie bei Reader's
Digest Deutschland, gerne zur Verfügung. Die Executive Summary der Studie
kann Anfang Mai 2004 abgerufen werden.
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