Stuttgart, 19. September 2007. Der legendäre Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, hat dazu aufgerufen, den 9. Oktober bundesweit als Gedenktag der Gewaltlosigkeit zu begehen. In einem Beitrag für das Magazin Reader’s Digest (Oktober-Ausgabe) begründet Führer dies mit den dramatischen Ereignissen rund um den Fall der Mauer im Jahr 1989: „Diese Selbstbefreiung aus der Diktatur ohne Hilfe des Kapitals oder irgendwelcher militärischer Macht kann als Beispiel von Angstüberwindung, Zivilcourage und Überwindung der elenden Anpassungsbequemlichkeit ein neues Selbstbewusstsein schaffen und zu einer neuen Identifikation der Deutschen führen.“

 

Am 9. Oktober 1989 wurde die Nikolaikirche im Verbund mit den anderen Innenstadtkirchen Leipzigs zum Ausgangspunkt der Demonstration der 70 000 und damit zum Kernpunkt der friedlichen Revolution.

 

Führer schreibt in Reader’s Digest, dem 9. Oktober komme eine besonders wichtige Bedeutung zu, wenn es um ein klares Zeichen gegen Gewalt geht: „Wann wäre uns je eine Revolution gelungen? Und zum ersten Mal gleich das Größte, ohne Blutvergießen. Einheit Deutschlands, dieses Mal ohne Krieg und Sieg und Demütigung anderer Menschen und Völker.“ Dieser beispiellose Vorgang, so fordert der Pfarrer, „verdient es, erinnert und lebendig erhalten zu werden“.

 

„Keine Gewalt!“ und „Wir sind das Volk!“ signalisierten eine Wirklichkeit, die neue Maßstäbe setzte, von denen die Staatsmacht total überrascht wurde, so Führer: „Aus dem Volk geboren und nicht nur gerufen, sondern konsequent praktiziert: ein ungeheurer Vorgang, ein Wunder biblischen Ausmaßes.“ Aus Sicht des Pfarrers sind die Parolen wie „Wir sind das Volk!“ und „Keine Gewalt!“ die kürzeste Zusammenfassung der Bergpredigt von Jesus.

 

Schon 1981 hatte sich in der Nikolaikirche der Protest gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen Bahn gebrochen. Pfarrer Führer erinnert sich: „Bei einer Kerzenmeditation kam alles aus den Jugendlichen heraus, was quälte und wütend machte. Eine ungeheuer befreiende Wirkung breitete sich aus. Kirche als Freiraum, geistig und quadratmetermäßig, in einer Gesellschaft, die alles vorschreibt und kontrolliert: Das ist es.“ Es sollte der Anfang eines am Ende erfolgreichen Widerstandes gegen den Staat werden. In den folgenden Jahren wurden die Friedensgebete, die seit September 1982 immer montags abgehalten wurden, in der Nikolaikirche zu einem festen Ritual.

 

Für weitere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Oktober-Ausgabe von Reader’s Digest ist ab 24. September an zentralen Kiosken erhältlich.

 

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