Stuttgart, im Mai 2002. Boxlegende Muhammad Ali, der in den 60er Jahren
zum Islam konvertierte, hat sich zu seinem Glauben bekannt und zugleich die
Anschläge vom 11. September in New York und Washington scharf verurteilt.
"Der Islam ist eine Religion des Friedens. Er steht nicht für Terror und das
Töten von Menschen", sagt er in einem Interview mit dem Magazin Reader's
Digest (Mai-Ausgabe). Die Täter, so Ali, seien keine Muslime, "das sind
rassistische Fanatiker". Zugleich verteidigt der Ex-Sportler (60) das
Nebeneinander der unterschiedlichen Weltreligionen: "Flüsse, Teiche, Seen,
Bäche, sie haben verschiedene Namen, aber in allen ist Wasser. Auch
Religionen haben verschiedene Namen, aber in allen ist Wahrheit." Für ihn,
so Ali, sei der Glaube die "Eintrittskarte in den Himmel".
Muhammad Ali, der Sohn eines Schildermalers und einer baptistischen Frau,
war zunächst als Cassius Clay zu Weltruhm gelangt. Wo er auch antrat,
verließ er den Boxring meist als Sieger. Als seinen größten Sieg nennt er den
Kampf gegen Joe Frazier in Manila im Jahre 1975, die schlimmste Niederlage
hingegen habe er 1959 bei den panamerikanischen Amateurmeisterschaften
gegen Amos Johnson kassiert. "Im Boxen würde ich alles genauso machen,
nichts ändern", blickt er in dem Interview mit Reader's Digest auf sein
sportliches Leben zurück.
Dabei waren es zwei Menschen, die ihn besonders geprägt haben. Zum
einen Sugar Ray Robinson, der in den 50er Jahren fünfmal Weltmeister im
Mittelgewicht wurde und für seine Leichtfüßigkeit im Ring berühmt war. Zum
anderen Elijah Muhammad, der bis 1975 als geistiger Führer der Black-
Muslim-Bewegung in den USA galt. Ali selbst hatte sich schon zu seinen
aktiven Zeiten als Streiter für die politischen Rechte der Schwarzen
hervorgetan. Heute sagt er: "Es gibt so viele Begriffe mit Schwarz, die etwas
Schlechtes bedeuten: Schwarzmarkt, schwarz malen, anschwärzen, das
schwarze Schaf. Ich meine, schwarz ist gut. Im Geschäft will man schwarze
Zahlen haben, fruchtbare Erde ist schwarz. Schwarz ist nichts Schlechtes."
In den vergangenen Jahren war es still um Muhammad Ali geworden. Der
Vater und inzwischen sechsfacher Großvater hatte sich zurückgezogen. Erst
1996 war er wieder richtig ins Rampenlicht getreten, als er das Feuer bei den
Olympischen Sommerspielen in Atlanta entzünden durfte. Eine Geste, die er
nach eigener Aussage nie vergessen wird: "Obwohl ich den Vietnamkrieg
abgelehnt habe und ich zum Islam übergetreten bin, haben sie mich die
Flamme anzünden lassen. Das hat mich sehr gefreut."
Ali, der zwar keine Gegner mehr k.o. schlägt, in der Heimat aber immer noch
als der Größte gilt, zieht in dem Interview denn auch eine zufriedene Bilanz
seines Lebens, obwohl er seit Jahren schwer an der Parkinsonschen
Krankheit leidet. "Ich frage nie: Warum gerade ich? Es hat in meinem Leben
so viel Gutes gegeben, ich war gesegnet." Und auch auf die Frage, wie der
Champion eines Tages der Welt in Erinnerung bleiben möchte, gibt er eine
klare Antwort: "Er hat ein paar Tassen Liebe genommen, einen Teelöffel
Geduld, einen Esslöffel Großmut, einen halben Liter Güte, und das alles hat er
gut umgerührt, und jedem, der es wert war, hat er davon gegeben."
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