Stuttgart, 24. Juni 2008. Olympia ist seit vielen Jahren ein Wettkampf von Sportlern, doch lange Zeit war Olympia auch ein Wettstreit von Künstlern. Was kaum jemand weiß: Zwischen 1912 und 1948 wurden Meister in den Disziplinen Architektur, Musik, Malerei, Bildhauerei und Literatur ermittelt. „Kunst und Sport waren mit Olympia fest verbunden“, schreibt der Wissenschaftler und TV-Moderator Ranga Yogeshwar in einem Beitrag für das Magazin Reader’s Digest Deutschland (Juli-Ausgabe).
Wenn vom 8. bis 24. August dieses Jahres die Athleten aus der ganzen Welt zu den Olympischen Sommerspielen in Peking zusammenkommen, dürfte die Kunst eher eine untergeordnete Rolle spielen. Dabei war es der Begründer der olympischen Idee, Baron Pierre de Coubertin, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Verbindung von Sport und Kunst vorantrieb.
Dabei wurden wie bei den sportlichen Disziplinen auch für die künstlerischen Bereiche die Medaillen in Gold, Silber und Bronze verliehen. Besonders pikant: Coubertin war es, der sich unter falschem Namen im Jahr 1912 mit einer Ode an den Sport selbst um die Goldmedaille im Bereich Literatur bewarb. Und wirklich: Das neunstrophige Werk erfüllte offenbar alle Kriterien der Jury, die ihn deshalb zum ersten Olympiasieger für Literatur kürte. Andere brachten es sogar in Sport und Kunst zu Medaillen.
So fand Yogeshwar bei seinen Nachforschungen heraus, dass der Ungar Alfréd Hajós erst olympisches Gold im Schwimmen holte, ehe er später Silber im Wettbewerb Architektur gewann. Doch die Vision von Coubertin, die olympische Einheit von Körper, Geist und Seele zu erreichen, scheiterte an organisatorischen Fragen und grundsätzlichen Problemen wie 1949, als klar wurde, dass viele Teilnehmer den bei Olympia geforderten Amateurstatus nicht mehr besitzen.
Schließlich entschied der IOC-Kongress deshalb im Jahr 1954 in Athen, die Kunstwettbewerbe endgültig zu streichen. Wissenschaftsjournalist Yogeshwar bewertet das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Die Spiele in Peking und anderswo werden kunstlos sein“, schreibt er im Beitrag für Reader’s Digest Deutschland. Vielleicht sei das aber auch gut so, „denn Kunst ist mehr als schneller, höher, weiter“.
Für weitere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Juli-Ausgabe von Reader’s Digest Deutschland ist ab 30. Juni an zentralen Kiosken erhältlich.
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