Stuttgart, im September 2002. Der Streit um eine Reform des deutschen
Gesundheits-wesens verschärft sich. "Ärzte behandeln in Praxen und Kliniken
oft unnötig und unwirksam", schreibt Herbert Rebscher,
Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen
(VdAK) im Magazin Reader's Digest (Oktober-Ausgabe). In dem Beitrag für
das Magazin erinnert Rebscher daran, dass Deutschland bei den
Gesundheitsausgaben pro Kopf nach den USA und der Schweiz zwar
Weltspitze sei, die Ergebnisse aber nur mittelmäßig ausfielen. Unter den
Ärzten seien "zu viele Einzelkämpfer, wenig geordnete Zusammenarbeit und
Kooperation". Insofern brauche das Gesundheitssystem nicht mehr Geld,
sondern: "Wir müssen das vorhandene besser einsetzen, die Ergebnisse
müssen optimiert werden, zum Wohl der Patienten."

 

Wie sehr es in Deutschland laut Rebscher eine "Über-, Unter- und
Fehlversorgung" mit Ärzten gibt, macht der VdAK-Chef am Beispiel der
Brustkrebsbehandlung fest. 46.000 Frauen würden jährlich daran in
Deutschland erkranken, 19.000 sterben deswegen. "Viele Todesfälle wären
jedoch vermeidbar durch rechtzeitige Diagnose und richtige Therapie." Statt
dessen gebe es immer wieder Mängel in der Früherkennung, die dann zu
unnötigen Brustamputationen führten. Der Chef des Spitzenverbandes geht
in seiner Kritik sogar noch ein Stück weiter. "Ärzte sind häufig schlecht
qualifiziert oder haben veraltete Geräte. Das führt zu einer hohen Rate
falscher Befunde", beklagt Rebscher am Beispiel der Brustkrebsdiagnose die
Arbeit mancher Mediziner. Rebscher fordert deshalb, die Qualifikation der
Mediziner, die Mammografien anbieten, zu verbessern, den Informations-
austausch auszubauen und eine regelmäßige Fortbildung zur Pflichtaufgabe
für Ärzte zu machen. Den Erfolg gelte es in einer Prüfung festzustellen.

 

Oberstes Ziel aller Reformen müsse sein, eine "mehr qualitäts- und
ergebnisorientierte Versorgung" der Patienten zu erreichen. Dazu gehöre,
bei der Vergütung von Ärzten und Kliniken Anreize für eine gute Versorgung
zu schaffen. "Es ist zu überlegen, ob man künftig diejenigen besser
honoriert, die ihre Behandlung nach bestimmten vertraglich vereinbarten
Abläufen ausrichten und die dadurch auch eine gute ärztliche Versorgung
garantieren." Die Krankenkassen, so der VdAK-Vorstandsvorsitzende,
bräuchten jedenfalls dringend mehr Handlungsspielraum: "Es sollte
ermöglicht werden, Krankenhäusern und Ärzten Verträge zu kündigen,
wenn deren Qualität erwiesenermaßen schlecht ist."

 

Kontakt:
Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH, Öffentlichkeitsarbeit,
Augustenstr. 1, D-70178 Stuttgart, Tel. +49 (0)711 / 6602-521,
Fax +49 (0)711 / 6602-160
E-Mail: presse@readersdigest.de