Stuttgart, 25. Mai 2004. Wo Franz Beckenbauer ist, da ist der Erfolg. Doch
ganz so einfach, wie es scheint, sieht er das selbst nicht. Im Gespräch mit
dem Magazin Reader's Digest Deutschland (Juni-Ausgabe) sagt er: "Du
kannst nicht das Fenster aufmachen und sagen, Glück, komm herein. A
bisserl was musst schon dafür tun." Wo aber liegt das Erfolgsgeheimnis des
58-Jährigen, der im In- und Ausland ob seines Ansehens seit Jahren den
Spitznamen "der Kaiser" trägt? "Du musst Dich mit der Aufgabe 100 Prozent
identifizieren. Da steckt sehr viel Fleiß und harte Arbeit dahinter", beschreibt
Beckenbauer seine Lebensphilosophie.


Was aber mindestens genauso wichtig sein dürfte, ist diese
Selbsteinschätzung: "Es waren immer Schritte, die ich gemacht habe, ohne
darüber nachzudenken, ob es mir etwas bringt oder nicht." Dass er dennoch
stets gewissenhaft und energisch vorgeht, dürfte an seinem Werdegang
liegen. So bezeichnet er im Rückblick seine Zeit als aktiver Spieler bei Cosmos
New York als "persönliche Lehrjahre". Dort musste sich der Mann aus Bayern
plötzlich in einer Weltstadt zurechtfinden. Rückblickend sagt er: "Das Ausland ist eine gute Schule. Die Selbständigkeit habe ich dort gelernt."


Aus dem herausragenden Fußballer wurde der erfolgreiche Teamchef,
Präsident des FC Bayern München und Chef des Organisationskomitees für
die WM 2006 in Deutschland. Nur eines will er nicht werden: Politiker. "Wenn
du einer Partei angehörst, dann bist du automatisch in ideologischen
Zwängen und musst teilweise gute Ideen ablehnen, nur weil das Parteibuch
nicht stimmt. Das ist nichts für mich."


Manchmal zieht sich Beckenbauer aber auch gezielt aus dem Rampenlicht
zurück, sucht die familiäre Ruhe mit den zwei kleinen Kindern, die er mit
seiner neuen Lebensgefährtin hat. "Familie, Berge, Luft und Sauna", das sind für ihn die Eckpunkte, wenn er sich regenerieren will. "Danach bin ich wieder
voll da."


Angst, sagt Beckenbauer, kenne er nicht. Und an den Tod verschwendet er
nicht allzu viele Gedanken: "Der kommt irgendwann und keiner wird sich
verstecken können". Und wie steht es um seinen Glauben? "Es gibt da eine
unglaubliche Kraft, die wir Menschen nicht verstehen. Da kannst du
Ausdrücke wählen wie Gott oder Kraft oder was auch immer - aber das gibt
es, das muss es geben." In einem zweiten Leben jedenfalls ("Kann sogar
sein, dass man dich irgendwann wieder zurückschickt") würde er gerne
wieder der alte sein: "Wenn sie mich wirklich zurückschicken, dann hätte ich
nichts dagegen, wenn ich als Franz Beckenbauer wiedergeboren würde.
Bislang jedenfalls habe ich mich sehr wohl gefühlt."


Für weitere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen wir
Ihnen gerne zur Verfügung. Die Juni-Ausgabe von Reader's Digest ist an
zentralen Kiosken erhältlich.


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