Stuttgart, im Januar 2002. Sabine Christiansen weiß, warum Moderatorinnen
im Fernsehen so gut ankommen: "Frauen haben neben Politikern nicht so
eine große Profilierungssucht wie Männer", sagt die "First Lady" unter
Deutschlands TV-Frauen im Gespräch mit dem Monatsmagazin Reader's
Digest (Februar-Ausgabe). Christiansen nennt noch einen zweiten Grund für
den weiblichen Vormarsch in den Polit-Talkshows: "Frauen können sehr gut
wechseln zwischen Schärfe und Charme." Auf der Wunschliste für ihre
gleichnamige Sendung in der ARD hat Christiansen einen Namen ganz nach
oben gesetzt: "US-Präsident Bush."

 

Fünf Jahre nach Beginn ihrer sonnntäglichen Talkshow fühlt sich Sabine
Christiansen sicher: "Ich glaube, dass es uns gelungen ist, die Sendung als
Marke zu etablieren", sagt sie in dem Gespräch mit Reader's Digest: "Unser
Sendeplatz trifft die Wochenend-, aber auch die Wochenbeginn-
Empfindlichkeit." Zugleich kritisiert die 45-jährige Moderatorin aber die Art
und Weise, wie ihre Gesprächsgäste gelegentlich auftreten: "Politiker
weichen zunehmend einer klaren Sprache aus und verstecken sich immer
häufiger hinter Phrasen."

 

Die prominente Zusammensetzung einer Diskussionsrunde ist nicht
gleichbedeutend mit dem Erfolg ihrer Sendung: "Ich merke sehr schnell an
der Gesprächsatmosphäre, ob die Gäste miteinander klarkommen. Das
Schlimmste ist, wenn sie nur ihre bekannten Standpunkte loslassen, aber
kein gemeinsames Gespräch entsteht", räumt Christiansen ein, deren
Sendung im Durchschnitt von über fünf Millionen Zuschauern gesehen wird.
Sie weiß um ihre Position, sagt aber: "Ich habe keine Macht, sondern nur den Einfluss, ein Thema zu setzen oder als Tempogeber in Gang zu bringen."
Zugleich definiert sie ihre eigene Rolle. "Ich bin jemand, der zwischen den
Gästen sitzt und die Zügel hält." Und sie erklärt, warum sie die Gäste nicht
öfter unterbricht: "Es ist eine politische Gesprächsrunde und keine
Christiansen-Show."

 

Im Januar 1998 war Christiansen mit ihrer Polit-Talkshow gestartet. Zuvor
hatte die ehemalige Stewardess zehn Jahre die ARD-Tagesthemen im
Wechsel mit Hanns Joachim Friedrichs und später Ulrich Wickert moderiert.
Eine Stelle, die sie als "Traumjob" in Erinnerung hat: "Wenn jemand krank
wäre, würde es mir nichts ausmachen, mich wieder auf den Stuhl zu setzen."

 

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