Stuttgart, 23. März 2007. Schauspielerin Christine Kaufmann hat kein Verständnis für Schönheitsoperationen. „Muss ich im Alter bar jeder Falte sein, um als schön zu gelten? Ich finde, es gibt sehr schöne Frauen mit vielen Falten“, sagt die 62-Jährige in einem Interview mit dem Magazin Reader’s Digest (April-Ausgabe). Aus Sicht der Münchnerin sind Falten durchaus wertvoll, weil sie Geschichten erzählen: „Viel wichtiger als Makellosigkeit ist doch, sich die Appetitlichkeit zu erhalten.“ Und für Kaufmann hat Schönsein auch etwas mit Reife zu tun: „Schönheit ist ganz individuell und auch immer nur eine Momentaufnahme. Ich finde, man sollte Patina haben.“
Kaufmann begann ihre schauspielerische Karriere mit sieben Jahren und sorgte 1954 als Neunjährige im Film „Rosen-Resli“ bundesweit für Aufsehen. Später ging sie nach Hollywood, erhielt einen Golden Globe für ihre Rolle in „Stadt ohne Mitleid“ und heiratete Hollywood-Star Tony Curtis. Nach fünf Jahren trennte sich das Paar, Kaufmann kehrte im Alter von 23 Jahren zurück nach Deutschland, fühlt sich aber bis heute nicht richtig heimisch. „Deutschland ist im Gegensatz zu Frankreich seinen Stars nicht treu“, beklagt sie und fügt hinzu: „Mir hat man unterschwellig vorgeworfen, ich sei Deutschland untreu geworden.“ Noch immer bekomme sie nur wenige Rollenangebote, „scheinbar sind alle anderen besser, begabter, schöner“.
Aber die Schauspielerin und Buchautorin ficht derartige Missachtung nicht an. Sie genießt ihr Dasein als „begeisterte Großmutter“ von vier Enkeln und fordert von der Gesellschaft mehr Respekt vor den älteren Menschen. „In der Werbung werden wir als fröhliche Inkontinente gezeigt, als verschrumpelte Omi, die mit den Enkeln Fischstäbchen isst.“ Aber das, so Kaufmann gegenüber Reader’s Digest, sei nicht die Wirklichkeit: „Eine ältere Frau hat Anspruch auf ihre eigene Form des Eros. Und ich meine damit nicht Sex.“ Eros ist aus Sicht von Kaufmann, die mit ihrem vierten Mann, dem Schauspieler und Maler Klaus Zey, in München lebt, ein geistiger Zustand, „ein Abtasten des Lebens mit allen Sinnen. Das Gefühl zu spüren, dass das Leben durch einen hindurchfließt.“
Für weitere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die April-Ausgabe von Reader’s Digest ist ab Montag, 26. März, an zentralen Kiosken erhältlich.
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