russischen Kinderarzt Dr. Leonid Roshal zum "Europäer des Jahres 2005"
gewählt. Der 71-jährige Kinderarzt aus Moskau ist schon an unzähligen
Konfliktherden der Welt als Mittelsmann zwischen Terroristen und
Rettungsorganisationen eingeschaltet worden. Mit der hohen Auszeichnung
würdigt Reader's Digest den Einsatz des "Weltkinderarztes", der in den
vergangenen 20 Jahren bei über zwei Dutzend schweren Katastrophen auf
vier Kontinenten schwer verletzten Kindern half - zuletzt im Sommer des
Jahres bei der Geiselnahme in der Schule von Beslan. Im Vorjahr war Peter
Eigen als erster Deutscher "Europäer des Jahres". Er ist Gründer und
Vorsitzender der weltweit tätigen Organisation ‚Transparency International'
mit Sitz in Berlin, die sich dem Kampf gegen Korruption widmet.
Ob Erdbeben, Krieg oder Geiselnahme: Immer wieder war und ist Roshal zur
Stelle. Im Jahr 2002 redete er bei der Geiselnahme im Moskauer
Musicaltheater mehrere Tage auf die Terroristen ein, sie sollten den Geiseln
Essen, Wasser und Arzneimittel geben, aber zumindest die Kinder freilassen.
Er sorgte auch dafür, dass die Verletzten binnen zwei Stunden ärztlich
versorgt wurden. Aber das Drama von Moskau war nur eine seiner vielen
Stationen. Roshal engagierte sich im ersten Golfkrieg, in Aserbaidschan und
Armenien, er leistete Hilfe nach den Erdbeben in Japan, Afghanistan, in
Indien, Algerien und Ägypten, genauso in Georgien. "Mein ganzes Leben
habe ich der Notfallmedizin gewidmet. Ich komme mir schon vor wie der
Doktor Ambulanz", sagt Roshal über seine Arbeit in der Januar-Ausgabe des
Magazins.
Leonid Roshal ist der zehnte Träger des Ehrentitels und der erste aus
Russland. Seit 1996 wählen die Chefredakteure der 19 europäischen
Ausgaben von Reader's Digest Persönlichkeiten zum "Europäer des Jahres",
die am besten die Traditionen und Werte Europas verkörpern. Reader's
Digest ist mit 4,5 Millionen Abonnenten in Europa eine der meistgelesenen
Zeitschriften.
Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 19. Januar 2005 in Moskau übergeben, teilt Reader's Digest Deutschland in Stuttgart mit.
Schon als Kind hatte Leonid Roshal vom Beruf des Arztes geträumt. Als
Elfjähriger schrieb er in einem Schulaufsatz, dass er Chirurg werden wolle.
Später, beim Beginn des Medizinstudiums in Moskau, gab er als
Berufswunsch "Kinderchirurg" an. Diesem Plan blieb er treu. Nach Abschluss
des Studiums arbeitete er tagsüber in einer Moskauer Klinik und assistierte
am Abend unbezahlt bei Operationen an einer der führenden Kinderkliniken
der Stadt. Mit den Jahren wurde er zum gefragtesten Chirurgen rund um
Moskau. Vor einem Jahr wurde Roshal Direktor am Wissenschaftlichen
Forschungsinstitut für Kinder-Notfallchirurgie und -Traumatologie. Zugleich
zeichnete ihn der russische Präsident Putin für seinen Einsatz als Vermittler
während der Belagerung des Musicaltheaters aus.
Die Rolle als Vermittler hat ihn inzwischen weltweit bekannt gemacht. Als es
im Sommer dieses Jahres zur Geiselnahme in der Schule von Beslan kam und
die Behörden keinen Ausweg mehr wussten, hieß es erneut: "Holt Doktor
Roshal!" Experten gehen davon aus, dass durch seinen Einsatz ein noch
größeres Blutvergießen in der Schule verhindert wurde. Roshal, der
Vorstandsmitglied der Internationalen Gesellschaft für Notfall- und
Katastrophenmedizin ist, will trotz seines Alters weiterhin als Arzt und
Mittelsmann zur Verfügung stehen. "Die nächsten 20 Jahre werde ich hier
arbeiten. Mit 90 werde ich an den Ruhestand denken - oder auch nicht."
Die Geschichte von Leonid Roshal ist im Januar 2005 zeitgleich in allen 19
europäischen Ausgaben von Reader's Digest zu lesen. In Deutschland ist die
Januar-Ausgabe bereits ab dem 20. Dezember 2004 an zentralen Kiosken
erhältlich.
Für weitere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen wir
Ihnen gerne zur Verfügung.
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