Stuttgart, 24. März 2004. Über alle Konfessionsgrenzen hinweg betrachten
66 Prozent der Deutschen die Zehn Gebote für ihr tägliches Leben als
verbindlich. Und selbst unter denen, die sich zu keiner Religion bekennen,
sind es noch 45 Prozent. Doch nur die wenigsten können mehr als ein paar
wenige aufsagen. Immerhin jeder zweite, 48 Prozent, kennt das fünfte
Gebot: "Du sollst nicht töten". Das ergab eine repräsentative Umfrage des
Meinungsforschungsinstituts Emnid für das Magazin Reader's Digest
Deutschland (April-Ausgabe).
Wie sich herausstellte, gibt es starke Unterschiede im Bekanntheitsgrad der
einzelnen Gebote bei den 1008 Befragten. Neben "Du sollst nicht töten" fiel
ihnen vor allem das siebte Gebot "Du sollst nicht stehlen" (38 Prozent) ein,
gefolgt vom sechsten Gebot "Du sollst nicht ehebrechen" (37 Prozent).
Deutlich seltener wurden das vierte Gebot "Du sollst Vater und Mutter
ehren" (26 Prozent) und das neunte Gebot "Du sollst nicht begehren deines
Nächsten Frau" (25 Prozent) genannt. Beinahe unbekannt ist das zweite
Gebot. An "Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht
missbrauchen" erinnern sich nur 4 Prozent der Bevölkerung. Und auch das
dritte Gebot - "Du sollst den Feiertag heiligen" - ist kaum mehr im
Bewusstsein (5 Prozent).
Bischöfin Käßmann: Zehn Gebote sind Grundlage allgemeiner Ethik
Aus Sicht von Margot Käßmann, Landesbischöfin der Evangelisch-
Lutherischen Landeskirche Hannover, sind die Zehn Gebote nach wie vor
aktuell und so etwas wie "Lebensregeln für eine gute Welt". Sie seien eine
konkrete Anleitung zum Leben und Handeln aus dem Glauben heraus bzw.
"können Grundlage einer allgemeinen Ethik sein".
Dass das zweite Gebot ("Du sollst den Feiertag heiligen") kaum mehr
bekannt ist, muss aus Sicht der Bischöfin bedenklich stimmen. Sie warnt in
ihrem Beitrag für Reader's Digest, dass der Sonntag durch verkaufsoffene
Geschäfte immer mehr zum Werktag wird. "Dann gibt es nur noch einen
Gleichklang von sieben Werktagen. Gemeinschaft wird so zerstört", so
Käßmann, die als Konsequenz fürchtet: "Irgendwann wird unsere
Gesellschaft dann kollektiv dem Burnout-Syndrom erliegen."
Ihre Schlussfolgerung: "Eine Zeit, die nach Orientierung geradezu ruft,
braucht die Zehn Gebote." Gerade wenn heute gefragt werde, wie denn
Jugendliche Werte fänden, wie denn das Miteinander von Menschen
unterschiedlicher kultureller Herkunft zu gestalten sei, könnten die Zehn
Gebote Maßstäbe setzen, so Bischöfin Käßmann, denn: "Sie haben sich
wahrhaftig bewährt durch Jahrtausende!"
Für weitere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen wir
Ihnen gerne zur Verfügung. Die April-Ausgabe von Reader's Digest ist ab dem
29. März 2004 an zentralen Kiosken erhältlich.
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