Stuttgart, im September 2002. Gunther Emmerlich, Opernsänger und
Showmaster aus der früheren DDR, ruft zu mehr Entschlossenheit und
Zuversicht beim weiteren Zusammen-wachsen der alten und neuen
Bundesländer auf. Zwölf Jahre nach der deutschen Vereinigung müsse das
Motto lauten: "Vorwärts und nicht vergessen!", so Emmerlich in einem
Beitrag für das Magazin Reader's Digest (Oktober-Ausgabe). Er schreibt: "Die
ewig Gestrigen sind schon durch die Formulierung disqualifiziert", und mit den "ewig Morgigen" könne er auch nichts anfangen. "Die Gottesgabe, dass in
der Erinnerung das Positive überwiegt, ist ein willkommenes Phänomen für
wissentliche Verdränger und vermeintlich Fortschrittliche", meint der Künstler.
Emmerlich räumt ein, dass nach der Wiedervereinigung bei vielen Bürgern der ehemaligen DDR durchaus Wünsche entstanden seien, die vielleicht so nicht
erfüllt wurden. "Wer da dachte, nun wird alles gut, war ein verzeihlicher
Träumer." Er erinnert aber daran, dass die Zensur in Funk, Fernsehen,
Zeitungen und auf der Bühne beendet worden sei. Auch gebe es die
entwürdigenden Grenzkontrollen nicht mehr und Verwandte müssten sich
nicht mehr tränenreich auf den Bahnhöfen verabschieden. "Vieles ist endlich
zu Ende gegangen", so Emmerlich - auch die Tatsache, dass das Land "zwar
Schwimm-Medaillen bei Olympia" gewann, es "in HO-Läden aber keine
Schwimm-Flügel" gab.
Der populäre Künstler geht in seiner Bilanz zwölf Jahre danach noch ein Stück
weiter: "Selbst das Positive, das zu Ende ging, fällt mir schwer, als solches zu
achten." Die niedrigen Mieten hätten zu DDR-Zeiten mit dafür gesorgt, "dass
die Häuser zerfielen". Und richtig sei zwar, dass es einst keine
Arbeitslosigkeit gab, dafür aber eine "Arbeitsergebnislosigkeit".
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