lassen
den Rasen, bezahlt die Rechnung im Restaurant und grillt. Die deutsche Frau
dagegen bügelt, kocht, erledigt den täglichen Einkauf und darf die Couch
aussuchen. An der traditionellen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau
scheint sich auch im neuen Jahrtausend kaum etwas zu ändern. Das geht
aus einer repräsentativen Emnid-Umfrage unter 1000 Deutschen hervor, die
das Magazin Reader's Digest in seiner Januar-Ausgabe veröffentlicht. Doch
allmählich bröckeln alte Klischees. "Viele Frauen verweigern die
Rundumversorgung der Männer in der Familie", sagt Martina Löw, Professorin
für Soziologie in Darmstadt.
Auch wenn die Gleichberechtigung im Gesetz steht, in der Realität ist sie noch
immer nicht flächendeckend verwirklicht. Zwar gaben 59 Prozent der
befragten Männer an, dass Frauen heute die gleichen Rechte haben. Zugleich
sehen sich 67 Prozent der Männer aber nach wie vor in der Rolle des
Ernährers der Familie. Dabei kann sich die Mehrheit der Deutschen durchaus
eine Frau als Vorgesetzten vorstellen. 61 Prozent aller Befragten ist das
Geschlecht ihres Chefs egal, oder sie bevorzugen sogar eine Frau. Aber: Weit
mehr Frauen als Männer (43 zu 28 Prozent) geben an, einen Mann als Boss
zu bevorzugen. Stolze 90 Prozent der Männer geben an, sie würden
akzeptieren, wenn ihre Partnerin im Beruf erfolgreicher wäre. Das ist die
Theorie, denn gleichzeitig ordnet die überwiegende Mehrheit der Männer den
Frauen Jobs zu, die gar keine Aufstiegsmöglichkeiten bieten - Sekretariat,
Krankenpflege oder Erziehung.
Aber die Umfrage hat noch andere interessante Trends erbracht. So existiert
bei der Frage, wie Männer bei der Hausarbeit mitwirken, eine große
Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Zwar sagten 82 Prozent der
Befragten, sie fänden es "nicht unmännlich, Hausmann zu sein". In den
Augen von 71 Prozent der Bevölkerung leistet aber die Frau den Löwenanteil
der Hausarbeit. Ähnliches gilt für den Bereich der Erziehung. Zwar sehen sich
Männer heute beim Windelwechseln mehr eingebunden als früher (56
Prozent). Wenn das Kleinkind nachts schreit, stehen aber nur 28 Prozent auf.
Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang der Unterschied zwischen
den alten und neuen Bundesländern. Während im Westen nur 24 Prozent
der Paare die Erziehungsaufgabe gemeinsam wahrnehmen, sind es im Osten
immerhin 42 Prozent - wohl eine späte Errungenschaft aus DDR-Zeiten.
Beim Thema Gefühle scheinen sich die Männer aber zunehmend von alten
Klischees zu verabschieden: 74 Prozent würden problemlos vor anderen
weinen, 55 Prozent reden heute offener über ihre Probleme als früher. Und
beim Sex bahnt sich gar eine Revolution an. Auf die Frage "Wer übernimmt
die Initiative?" antwortete fast die Hälfte aller Befragten mit "beide gleich".
Besonders erstaunlich: 26 Prozent der Frauen halten es für unmännlich,
wenn "er" nur einer Partnerin treu ist. Und: 80 Prozent der Männer
empfinden es nicht als unmännlich, nur einer Frau treu zu sein.
Die Fachleute sind sich in der Analyse der Umfrage einig: Die zunehmende
Berufstätigkeit der Frauen sorgt für eine neue Definition der Männerrolle. 28
Prozent der befragten Männer ordnen ihre Situation heutzutage schwieriger
ein als sie es für die Generation ihrer Väter war, Frauen glauben dies gar zu
31 Prozent. Hat es das vermeintlich starke Geschlecht also schwer, weil es
alte Privilegien aufgeben muss? "Vom Mann verlangt die Frau heute soziale
Kompetenzen", sagt die Leipziger Psychologin Dorothee Alfermann
gegenüber Reader's Digest: "Dazu gehört die Fähigkeit, Probleme zu
besprechen und zu lösen genauso wie sich die Aufgaben im Haushalt
vernünftig aufzuteilen." Oder wie es ein Teilnehmer der Umfrage ausdrückte:
"Als verheirateter Mann hat man heute mehr Pflichten als Rechte."
Kontakt:
Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH, Öffentlichkeitsarbeit,
Augustenstr. 1, D-70178 Stuttgart, Tel. +49 (0)711 / 6602-521,
Fax +49 (0)711 / 6602-160
E-Mail: presse@readersdigest.de

