Reader's Digest hat das Rollenverständnis von Männern untersuchen
lassen


Wien, im Dezember 2002. Der österreichische Mann sucht das Auto aus, mäht
den Rasen, führt kleinere Reparaturen durch und grillt. Die österreichische
Frau dagegen bügelt, kocht, erledigt den täglichen Einkauf und darf die
Couch aussuchen. An der traditionellen Rollenverteilung zwischen Mann und
Frau scheint sich auch im neuen Jahrtausend nicht viel zu ändern. Das geht
aus einer neuen, repräsentativen Emnid-Umfrage unter 500 österreichischen
Bürgern hervor, die das Magazin Reader's Digest in seiner Januar-Ausgabe
veröffentlicht.


Auch wenn die Gleichberechtigung im Gesetz steht, in der Realität ist sie
längst nicht angekommen. Zwar gaben 54 Prozent der befragten Männer bei
der Umfrage an, dass Frauen heute die gleichen Rechte haben. Frauen sind
da skeptischer: Sie sind zu 52 Prozent der Meinung, dass die
Gleichberechtigung noch nicht Realität ist. Dabei kann sich die Mehrheit der
Österreicher durchaus eine Frau als Vorgesetzten vorstellen. 71 Prozent der
Befragten war das Geschlecht des Chefs egal, oder sie bevorzugen sogar
eine Frau. Erstaunlich: Mehr Frauen als Männer (26 zu 22 Prozent) geben an,
einen Mann als Boss zu bevorzugen. Stolze 79 Prozent der Männer geben
an, sie würden akzeptieren, wenn ihre Partnerin im Beruf erfolgreicher wäre.
Das ist die Theorie, denn gleichzeitig ordnet die überwiegende Mehrheit der
Männer den Frauen Jobs zu, die gar keine Aufstiegsmöglichkeiten bieten -
Sekretariat, Krankenpflege oder Erziehung.


Aber die Umfrage hat noch andere interessante Trends erbracht. So halten
sich die Männer in der Selbsteinschätzung für modern und aufgeschlossen.
77 Prozent gaben an, sie fänden es "nicht unmännlich, Hausmann zu sein".
Edgar Forster, Erziehungswissenschaftler an der Universität Salzburg,
relativiert diese Einschätzung: "Wer die Wahrheit über die
Gleichberechtigung von Mann und Frau erfahren möchte, muss nur auf zwei
Dinge achten: Wer bügelt, und wer macht die Wäsche?" Ergebnis der
Umfrage an diesem Punkt: Bei 70 Prozent der Bevölkerung leistet die Frau
den Löwenanteil der Hausarbeit. Ähnliches gilt für den Bereich der Erziehung.
Zwar sehen sich Männer heute beim Windelwechseln mehr eingebunden als
früher (58 Prozent), tatsächlich widmen sich aber nur bei 39 Prozent der
Befragten beide Partner gleichermaßen den Kindern.


Dennoch, darin sind sich die Experten ebenfalls einig: Der heutigen
Männergeneration kann man im Vergleich zu den Vorfahren ein größeres
Engagement für die Familie nicht absprechen. Gerade jüngere Menschen
denken aber offenbar noch am stärksten in Klischees. Ein Beispiel: Für 58
Prozent der 14- bis 29-jährigen Österreicher ist Autofahren typisch männlich.


An einem Punkt werden die harten Kerle dann aber doch ganz weich: beim
Thema Gefühle. 74 Prozent halten es nicht für unmännlich, nur einer Frau
treu zu sein, 60 Prozent würden vor anderen weinen, 57 Prozent gaben an,
dass sie heute offener über ihre Probleme reden als früher. Und beim Sex
bahnt sich gar eine Revolution an, weil die Männer ihre dominante Rolle als
Machos in den österreichischen Schlafzimmern verlieren. Auf die Frage "Wer
übernimmt die Initiative?" antworteten 61 Prozent aller Befragten mit "beide
gleich". Für Geschlechterforscherin Martina Löw, Soziologin an der Universität
Darmstadt, ein fast unglaublicher Wandel: "Mit dem aktiven sexuellen
Begehren haben sich Frauen innerhalb kürzester Zeit ein klassisches
Männerfeld erobert."


Die Fachleute sind sich in der Analyse der Umfrage einig: Die zunehmende
Berufstätigkeit der Frauen sorgt für eine neue Definition der Männerrolle. 31
Prozent der befragten Männer ordnen ihre Situation heutzutage schwieriger
ein als sie es für die Generation ihrer Väter war, Frauen glauben dies gar zu
37 Prozent.


Für nähere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen wir
Ihnen gerne zur Verfügung. Die Januar-Ausgabe von Reader's Digest ist
wegen der Weihnachtsfeiertage bereits an zentralen Kiosken erhältlich.


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