Stuttgart, 18. Dezember 2003. Erst die Maul- und Klauenseuche, dann
verbotene Arzneimittel, schließlich noch die BSE-Krise - in den vergangenen
Jahren hat der Ruf von Fleisch stark gelitten. Reader's Digest Deutschland
hat jetzt Fachleute gefragt, wie gesund oder ungesund der tierische Genuss
geworden ist. In der Januar-Ausgabe geben Ernährungs- und
Landwirtschaftsexperten die Antwort: Fleisch ist ein wertvolles
Nahrungsmittel, das pflanzliche Kost ideal ergänzt.
Die Botschaft der Ernährungsexperten ist eindeutig: Mit Fleisch ist es
wesentlich leichter, sich gesund zu ernähren. Immerhin nimmt man mit dem
Verzehr nicht nur die essenziellen Aminosäuren auf, die der Körper zur
Muskel- und Nervenfunktion braucht, sondern auch Fettsäuren sowie die
Vitamine A (gut für die Augen), B1, B2, B6, B12 (für die Stoffwechselprozesse)
sowie D (gut für die Knochen). Konrad Biesalski von der Universität Stuttgart-
Hohenheim räumt in diesem Zusammenhang auch mit dem Vorurteil auf,
werdende Mütter sollten lieber kein Fleisch essen. Im Gegenteil: In der
Schwangerschaft könne es riskant sein, völlig auf Fleisch zu verzichten, sagt
Biesalski.
Wie viel Wurst und Fleisch sind nun aber richtig für Otto Normalverbraucher?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät bei Erwachsenen zu 300 bis 600
Gramm pro Woche, bei Jugendlichen bis 14 Jahren werden vom Dortmunder
Forschungsinstitut für Kinderernährung 40 bis 75 Gramm pro Tag empfohlen.
In Wahrheit verzehrt der Deutsche im Schnitt aber zwei bis drei Mal so viel.
Wolfgang Branscheid von der Bundesanstalt für Fleischforschung sieht das
gelassen: "Für eine stärkere Begrenzung des Fleischkonsums gibt es keine
wissenschaftliche Begründung." Das eigentliche Problem sei, dass sich die
Menschen in Industrienationen "zu viel, zu fett und zu süß" ernähren und
obendrein zu wenig Bewegung haben. Rat der Experten: Man sollte sich nicht
an Schweinebraten und Leberwurst satt essen, sondern ausgewogen
ernähren - also mit Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Milchprodukten, Obst,
Gemüse, Fisch und eben auch Fleisch.
Vollwertköstler lassen Vegetarier hinter sich
Claus Leitzmann, einer der bekanntesten deutschen Ernährungsexperten
aus Gießen, verweist in diesem Zusammenhang auf Studien, wonach
"Vollwertköstler", die ein bis zwei Mal pro Woche Fleisch essen, die am
besten mit Nährstoffen versorgten Menschen sind. Erst auf Platz zwei folgen
die Vegetarier. Welche Fleischsorten sollten nun aber bevorzugt werden?
Auch hier gilt: Die Mischung macht's. Rotes Fleisch von Rind, Lamm und Wild
hat viel gesundes Eisen. Das weiße Fleisch vom Huhn oder der Pute ist meist
magerer, auch das ist gesund.
Schon an der Verkaufstheke gilt es zu beachten: Kalbfleisch sollte rosa,
Schweinefleisch hellrot bis rot sein, Rind- und Schaffleisch darf dunkler
aussehen, aber keine tief braunroten Farbtöne haben. Nicht zu vergessen
die Zubereitung: Fleisch darf nicht zu stark erhitzt werden oder in der Pfanne
gar verbrennen. Sonst gehen die Vitamine und Mineralien verloren.
Nur - wie verlässlich ist Fleisch heutzutage noch? "Sicherer denn je", sagt
dazu Lore Schöberlein von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft
in Dresden in Reader's Digest. Als Reaktion auf die Skandale der
vergangenen Jahre seien die Vorschriften über die Aufzucht, den Transport
und die Schlachtung der Tiere so verschärft worden, dass der Verzehr immer
unbedenklicher werde. Aber Schöberlein räumt am Beispiel der BSE-Tests ein, dass ein Restrisiko existiert. Der Grund: Da nur Tiere getestet werden, die
älter als zwei Jahre sind, bleiben Infektionen bei Jungtieren unentdeckt.
An einem Punkt werben die Ernährungsexperten für zumindest genaue
Prüfung: beim Thema Innereien. Während Rinderhirn als BSE-Risikomaterial
gilt und in der EU nicht mehr verkauft wird, halten Fachleute wie Wolfgang
Branscheid das Schweinehirn zwar für "ungefährlich, aber sehr fett und nicht
empfehlenswert". Was bleibt, sind also Herz, Leber und Nieren, die weiter zu
den Delikatessen zählen. Auch hier gilt die Devise: Weniger ist mehr. Konrad
Biesalski von der Uni Stuttgart-Hohenheim rät deshalb: 100 Gramm alle 14
Tage.
Für weitere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen wir
Ihnen gerne zur Verfügung. Die Januar-Ausgabe von Reader's Digest
ist an zentralen Kiosken erhältlich.
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