Stuttgart, im Juli 2003. In der Fußballszene wurde er lange Zeit wegen seiner
harten Trainingsmethoden nur "Felix Quälix" genannt, in seiner Funktion als
Trainer des VfB Stuttgart hat sich Felix Magath aber grundlegend gewandelt.
"Ich möchte als Trainer die Erfolge haben, die ich früher als Spieler feierte",
sagt der 50-Jährige in einem Gespräch mit dem Magazin Reader's Digest
Deutschland (August-Ausgabe) kurz vor dem Start in die neue Bundesliga-
Saison am 2. August.

 

Als Magath im Februar 2001 nach Stuttgart kam, drohte dem VfB der Abstieg. Doch der gebürtige Franke wurde zum Retter in höchster Not. Nun,
zweieinhalb Jahre später, hat der VfB unter Magaths Regie den Einzug in
Europas höchste Spielklasse, die Champions League, geschafft. Doch der
Trainer will mehr, er will Meister werden mit Stuttgart. Sein tägliches Credo
hilft ihm dabei: "Verlieren fällt mir ungeheuer schwer." Entsprechend
konsequent geht der Fußballtrainer an die Arbeit. Er will aus den jungen
Spielern selbstbewusste Profis machen. Dabei handelt er hart, aber gerecht.
Magath selbst sieht das längst etwas gelassener: "In der Sache bleibe ich
hart. Aber bei vielen Entscheidungen gehe ich diplomatischer vor als früher."

 

Nach dem Erfolg mit dem VfB in der letzen Spielzeit wurde Magath zum
"Trainer der Saison" gewählt. Lob gab es von allen Seiten. "Das hat mich
schon ein wenig irritiert. Ich erhalte plötzlich Anerkennung von Leuten, die
meine Arbeit früher ganz anders gesehen haben", lautet seine Erkenntnis
und: "Schulterklopfen führt bei mir aber nicht zu Fehleinschätzungen." Trotz
des Erfolgs bleibt sich der Trainer, der über 20 Jahre im Trikot des HSV
spielte, in seinem Führungsstil treu. "Ich halte bewusst Abstand zu den
Spielern. Nähe erschwert mir die Arbeit. Um möglichst objektiv entscheiden
zu können, brauche ich Distanz." Im Klartext: Magath ist kein Kumpel, er
sieht sich eher als Respektperson.

 

Gibt es so etwas wie ein Patentrezept für Erfolg? Magath wehrt ab. Er will
das Beste von seinen Spielern: "Ich muss mal nachgeben, ich muss mal stur
sein, ich muss mal laut sein, mal leise. Ich muss mich mal entschuldigen und
mal jemanden zusammenscheißen", sagt er. "Es gibt in einer Mannschaft
ständig neue Probleme. Ich kann nie wirklich sagen, jetzt habe ich die
Gruppe im Griff. Das kann sich von einem auf den anderen Tag ändern",
beschreibt der Fußball-Coach die Dynamik seines Berufs.

 

Abseits des Fußballplatzes will Magath für sich und die Familie seine Ruhe
haben, nur so viel verrät er: "Heimat ist dort, wo man sich im Moment wohl
fühlt. Und das ist jetzt Stuttgart." Und der Wahlschwabe ist ungeduldig:
"Deshalb bin ich auch kein guter Schachspieler, nur ein leidenschaftlicher."

 

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