Stuttgart, April 2002. Iris Berben räumt offen ein, dass sie große Angst vor
dem Tod hat. "Ich möchte nicht von dieser Bühne abtreten. Ich will wissen,
wie es hier in 300 Jahren aussieht, wie es weitergeht. Hauptsache Leben",
sagt sie in einem Gespräch mit dem Monatsmagazin Reader's Digest (Mai-
Ausgabe). Zugleich erzählt die 51-jährige Schauspielerin gegenüber dem
Magazin über ihre Jugendsünden: Drei Mal flog sie von der Schule, und
während der Studentenunruhen der 68er-Bewegung warf sie
Fensterscheiben ein.
Seit Jahren gilt Iris Berben, die 1950 in Detmold als Kind eines Gastronomen-
Ehepaars geboren wurde, als erotischste Frau Deutschlands. Ein Image, das
der erfolgreichen Schauspielerin offenbar gar nicht recht ist. "Ich mag es
nicht, wenn man mich wie eine Ware anstarrt." Seit über 30 Jahren steht sie
vor der Kamera, zum Beispiel als Kommissarin Rosa Roth im ZDF oder jüngst
im Kino in Doris Dörries Film "Bin ich schön?".
Über die Hamburger Protestszene war sie Mitte der 60er Jahre zum Film
gekommen. Zuvor hatte sie bereits eine bewegte Jugendzeit erlebt. Mal
wurde sie an der Schule mit einer Zigarette erwischt, dann kam sie immer
wieder mal zu spät zum Unterricht. Und am Hamburger Klosterinternat Sacré
Coeur durfte sie nur selten heim, weil die Beurteilungen meist schlecht
ausfielen. "Bockig" und "unsicher" habe sie sich in ihren jungen Jahren
verhalten, blickt sie selbstkritisch zurück. Mit 20 unternahm sie gar einen
Selbstmordversuch. Dann die Wende, mit 21 bekam Iris Berben ein Kind. Da
war sie "so glücklich wie nie zuvor". Den Vater des Kindes gibt sie bis heute
nicht preis. "Es hat lange gedauert, bis ich mich mochte", gesteht sie, "jetzt
brauche ich noch ein paar Hundert Jahre zum Leben".
Seit nunmehr 27 Jahren ist Gabriel Lewy ihr Lebenspartner. Aber auch jetzt
sucht Iris Berben noch immer ihre Freiräume. Sie pendelt zwischen dem
gemeinsamen Haus in München und ihrer Wohnung in Berlin, wo sie meist
allein lebt und abends in der Badewanne ihre Rollen als Schauspielerin lernt.
Lewy und sie, sagt Iris Berben, seien nicht die Typen dazu, 24 Stunden
miteinander zu verbringen: "Wenn man anfängt, Kompromisse zu machen,
dann führt das zu Anspannungen." Was das bei Iris Berben heißt, hat sie
früher bewiesen. Zweimal stand sie vor Gericht wegen Arbeitsver-weigerung,
weil sie gegen Regisseure rebelliert hatte. "Das kostete richtig Geld, das
passiert mir heute nicht mehr."
Und was tut Iris Berben, wenn sie mal nicht vor der Kamera steht? Sie
engagiert sich für Obdachlose und Aids-Kranke genauso wie für Brust- und
Darmkrebspatienten. Immer wieder macht sie auch auf sich aufmerksam,
wenn sie gegen Rassismus, Neonazismus und Antisemitismus kämpft.
Letzteres nicht ohne privaten Hintergrund. Ihr Partner Lewy ist Jude,
zusammen besitzen sie im ältesten Stadtteil von Tel Aviv eine Wohnung. Die
Unruhen zwischen Israelis und Palästinensern erlebt sie daher mit ganz
intensiven Gefühlen: "Ich trauere um jeden, der in Israel stirbt. Egal, auf
welcher Seite."
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