Stuttgart, 24. Februar 2004. Deutschlands Senioren wollen ihren
Lebensabend möglichst nicht in einem Altenheim, einem speziellen
Wohngebiet oder in Seniorenstädten, sondern am liebsten zu Hause
verbringen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des
Meinungsforschungsinstituts Emnid für das Magazin Reader's Digest
Deutschland. Demnach gaben 54 Prozent der Befragten an, sie wollten in
den eigenen vier Wänden alt werden. Erst mit weitem Abstand kommt das
betreute Wohnen (16 Prozent), gefolgt von dem Wunsch, unter einem Dach
mit den eigenen Kindern zu leben (15 Prozent). Das Magazin berichtet in
seiner März-Ausgabe über die Ergebnisse der Studie und gibt zugleich Tipps,
wie man für das Leben im Alter am besten vorsorgen kann. Entscheidend
dabei ist: Die Familie muss frühzeitig gemeinsam die Weichen stellen.
"Es ist naiv zu glauben, die Kinder würden schon alles richtig machen, wenn
man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist", sagt Riccarda Hedderich,
Rechtsexpertin beim Sozialverband VdK in Dortmund. Um zu vermeiden, dass ein Vormundschaftsgericht einen Betreuer für die Eltern bestellt, sollte
deshalb rechtzeitig eine Vertrauensperson mit einer General- und
Vorsorgevollmacht ausgestattet werden. Dies können die Kinder oder auch
gute Freunde sein. Mit solchen notariell beglaubigten und beurkundeten
Papieren ist gewährleistet, dass beim Eintreten des Pflegefalls kein Fremder
über das weitere Schicksal von Vater oder Mutter bestimmt. Ohnehin raten
die Experten: Im Ernstfall sollten die Pflichten auf mehreren Schultern verteilt
werden. Ein wichtiger Grundsatz: An der Pflege eines Angehörigen darf eine
Familie nicht zerbrechen.
Zwar wirbt Susanne Zank, Psychologin von der Deutschen Gesellschaft für
Gerontologie und Geriatrie in Berlin, für das Altwerden zu Hause, weil sich die
familiäre Umgebung positiv auf den Lebensmut der Senioren auswirke. Nicht
immer ist die Betreuung zu Hause aber der richtige Weg. "Wenn Kinder die
Elternrolle übernehmen, sind Konflikte programmiert", warnt die Wiener
Psychotherapeutin Edith Albrecht gegenüber Reader's Digest. Vor der Pflege
der Eltern in den eigenen vier Wänden seien deshalb wichtige Fragen zu
klären: Ist genug Platz vorhanden, wer hat ausreichend Zeit, wer hilft bei
Krankheit oder Urlaub, was fallen für Kosten an? Eine wichtige Stütze im
Alltag können ambulante Hilfsdienste sein. Sie helfen beim Kochen, bieten
Unterstützung bei der Hausarbeit, sorgen für ein Freizeitprogramm,
organisieren Fahrdienste, bilden Telefonketten für den Notfall.
Sobald aber eine Pflege rund um die Uhr nötig wird, empfehlen die Experten
einen Platz im Pflegeheim. Noch immer hätten viele Kinder ein schlechtes
Gewissen, weil sie Vater oder Mutter nicht dorthin "abschieben" wollen.
Manchmal sei der Umzug ins Heim aber die beste Lösung, weil die Pflege zu
Hause dann die Kräfte der Angehörigen übersteigt. Aber auch hier gilt: Wenn
möglich, rechtzeitig Vorsorge treffen. Dazu gehört eine Liste mit den
Wünschen zum Beispiel zu Lage, Erreichbarkeit, Ausstattung und
Zimmergröße. So lässt sich bei der Suche des Heims prüfen, ob die teuersten auch wirklich die besten Häuser sind. Wichtig auch: Man sollte sich
erkundigen, ob es in den jeweiligen Einrichtungen eine Warteliste gibt.
Und noch eines raten die Fachleute: Selbst wenn Vater oder Mutter ins
Pflegeheim gebracht werden müssen, sollte man den Kontakt zu ihnen nicht
abreißen lassen. Die eigenen Kinder oder auch die Freunde bleiben eine
wichtige Bezugsperson und Informationsquelle. Dazu passt ein weiteres
Ergebnis der Emnid-Umfrage. Demnach möchte nur ein Prozent der 1000
Befragten eines Tages tatsächlich selbst in speziellen Seniorenstädten leben,
wohingegen - in der Theorie - noch rund ein Viertel der Befragten solche
Einrichtungen für wünschenswert halten.
Diese Art Kommunen, vor allem in den USA unter dem Namen "Sun Cities"
bekannt geworden, richten sich ausschließlich an ältere Menschen, die ohne
Kinder und Lärm ihren Lebensabend verbringen wollen. Aber die Mehrheit der
Menschen hier zu Lande hält offenbar - unabhängig von Alter, Geschlecht und Bildungsstand - nichts von solchen Seniorenstädten.
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