Stuttgart, im Juli 2002. Hellmuth Karasek, Journalist, Schriftsteller und
Literaturkritiker, bricht eine Lanze für den Bestseller. In einem Beitrag für das Monatsmagazin Reader's Digest (August-Ausgabe) schreibt er, auch wenn
manche darüber die Nase rümpften: "Das Gute daran ist, man kann mitreden in einem stummen Dialog mit allen. Man gehört dazu, man weiß sich mit
anderen einig, gleich beschäftigt, gleich gefesselt, gleich zum Widerspruch
oder zur Zustimmung herausgefordert." So entstehe ein Gefühl der
Solidarität, "Leitkultur meinetwegen".

 

Damit nicht genug. Karasek rät, wo es allerorten die Pisa-Diskussionen gibt,
zu den Klassikern. "Macht es nicht Spaß und Sinn zu lesen, was zur
allgemeinen Bildung gehört?", fragt er und antwortet sogleich mit
Empfehlungen: neben einem Krimi von Henning Mankell den Bestseller Der
Alchimist von Paulo Coelho eben Effie Briest von Fontane oder Dostojewskis
Idiot.

 

"Urlaub verbindet, und Lesen verbindet im Urlaub", schreibt Karasek weiter:
"Durch unsere Leseerlebnisse sind wir gleichzeitig für uns allein und
zusammen." Obendrein sorge der entspannte Lesegenuss dafür, dass man
nach dem Urlaub ganz neue habe: "Wir erzählen uns danach, was wir erlebt
haben - auch dadurch, dass wir es gelesen haben."

 

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