Stuttgart, 27. Juli 2004. Der Kieler Klimaexperte Mojib Latif warnt vor einer
drohenden, unkalkulierbaren Erwärmung der Erdatmosphäre: "Der Welt
droht eine Heißzeit", sagte der renommierte Meteorologe dem Magazin
Reader's Digest (August-Ausgabe). Latif forderte zugleich zu einem
Umdenken in der Umweltpolitik auf. "Die Politiker müssen endlich einsehen,
dass Öl, Kohle und Gas irgendwann zur Neige gehen und dass wir so oder so
auf die erneuerbaren Energien umsteigen müssen."
Die Hochwasser und Hitzeperioden der vergangenen Jahre hätten bereits
gezeigt, dass "die extremen Wetterereignisse zunehmen und es deutlich
wärmer geworden ist" - im Schnitt 0,1 Grad pro Jahrzehnt. Die Häufung der
extremen Wettersituationen sei auf die globale Erwärmung zurückzuführen.
Durch das Verfeuern fossiler Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle
entstehe Kohlendioxid, das die Atmosphäre immer stärker aufheize. Die
globale Erderwärmung wird laut Latif "zu Dreiviertel von den Menschen und
zu einem Viertel von natürlichen Einflüssen" verursacht. Sollte keine Umkehr
in der Energiepolitik gelingen, "herrschten bei uns im Sommer sehr heiße,
sehr trockene Bedingungen, hin und wieder unterbrochen von sintflutartigen
Niederschlägen."
Eine solche Entwicklung mit andauernden Temperaturen von über 40 Grad
hätte für die Natur gravierende Folgen. Der Kieler Professor geht davon aus,
dass viele Wälder dann absterben, die Vegetation im Mittelmeerraum völlig
vertrocknet und das Trinkwasser vielerorts knapp wird. Ganze Landstriche
würden auf diese Weise unbewohnbar. "Der Klimawandel würde eine riesige
Völkerwanderung auslösen", prophezeit Latif. In dem Interview mit Reader's
Digest appelliert der Experte deshalb an die Politik, die weltweite Belastung
durch Kohlendioxid drastisch zu reduzieren. "Bis zum Jahr 2100 müssen wir
auf null kommen, also den CO2-Ausstoß 100-prozentig reduzieren."
Latif hält es für unabdingbar, die fossilen Brennstoffe durch erneuerbare
Energien mittelfristig zu ersetzen und Forschungen dafür jetzt
voranzutreiben. Von der Kernenergie als Ersatz hält der Klimaexperte nicht
viel: "Wir sollten die Atomenergie nicht weltweit ausbauen, insbesondere
nicht in Ländern, die politisch instabil sind." Er nennt als künftige
Energiequellen die Wind- und Wasserkraft, die Nutzung der Erdwärme, aber
vor allem die Sonnenenergie. "Die Sonne schickt uns jede Sekunde mehr
Energie, als wir je nutzen können. So viel brauchen wir gar nicht. Wir
müssten nur einen Bruchteil davon umsetzen, um unseren Bedarf zu
decken."
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