Stuttgart, 21. April 2005. Gräfin Sonja Bernadotte, die Hausherrrin auf der Blumeninsel Mai­nau im Bodensee, will das Werk ihres verstorbenen Mannes Graf Bernadotte auch in den nächsten Jahren konsequent fortführen. „Als ich 1981 die Leitung der Mainau von meinem Mann übernahm, bedeutete das für mich zugleich Auftrag und Verantwortung“, sagt die 60-Jährige gegenüber dem Magazin Reader’s Digest (Mai-Ausgabe). Diese Verpflichtung will sie aufrechterhalten: „Hier zu leben und zu arbeiten, bedeutet für mich auch, mit dem historischen Anwesen in die Zukunft zu gehen.“

 

Graf Bernadotte, der aus dem schwedischen Königshaus abstammte, hatte die Insel 1932 erhalten. Zuvor hatte er durch die Heirat mit seiner ersten, bürgerlichen Frau alle Thronansprüche verloren. Einigen Widerständen zum Trotz verwandelte er in den folgenden 40 Jahren die verwilderte Insel in ein Blumenparadies, ehe er 1972 Gräfin Bernadotte heiratete. Die junge Frau mit dem bürgerlichen Namen Sonja Haunz hatte nach der Schulzeit in der Buchhaltung auf der Mainau ausgeholfen und war Graf Bernadotte durch ihren Fleiß aufgefallen. Im Dezember 2004 starb der Graf im Alter von 95 Jahren.

 

Wenig später kündigte Gräfin Bernadotte an, sie werde im Jahr 2007 die Geschäfte an ihre Tochter Bettina übergeben. Zur Zeit hat die Tochter vorübergehend sogar ganz das Management auf der Blumeninsel übernommen, weil die Mutter aus gesundheitlichen Gründen bis August eine Auszeit einlegen muss. Am Elan, die Blumeninsel weiter für die Zukunft zu rüsten, ändert das aber nichts. „Ich kenne meine Wurzeln“, verweist Gräfin Sonja auf ihre Jugendzeit und die Aufbauarbeit auf der Mainau. Inzwischen gibt es hier unzählige Blumenarten sowie über 500 verschiedene Laub- und Nadelbäume. Jährlich kommen rund 1,2 Millionen Besucher auf die Insel, um die Blütenpracht und Inselromantik zu erleben. 400 Mitarbeiter sind dafür zuständig, die Mischung aus subtropischem Flair und mediterranem Ambiente zu erhalten.

 

Aber auch das erfolgsverwöhnte Blumenparadies blieb von der Wirtschaftsflaute nicht verschont. Die Insel-Besitzer selbst hatten schon vor Jahren die Weichen für die Zukunft gestellt: Um die ideellen Ziele der Mainau zu verankern und einen Erbstreit unter den fünf Kindern zu vermeiden, brachte das Grafenpaar 1974 das Erbe in die Lennart-Bernadotte-Stiftung ein. „Die Stiftung ist die Basis für alle unsere Aktivitäten“, betont Gräfin Bernadotte. Und die Insel öffnet sich für neue Projekte. Immer häufiger ist die Mainau Kulisse für Fernsehaufnahmen wie zum Beispiel für einen ARD-Tatort. Dass es dabei um einen Mord auf der Mainau ging, löste zwar wegen eines möglichen Imageschadens kritische Nachfragen bei Gräfin Bernadotte aus. Aber als Chefin dieses Touristikunternehmens weiß sie sehr wohl, den Wert einer solchen Publicity zu schätzen: „Wir leben ja davon.“

 

Für weitere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Mai-Ausgabe von Reader’s Digest ist ab 25. April 2005 an zentralen Kiosken erhältlich.

 

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