Stuttgart, 24. Mai 2005. Marietta Slomka, erfolgreiche Moderatorin des „heute journal“, braucht nach ihren eigenen Sendungen zumeist mehrere Stunden, um innerlich zur Ruhe zu kommen. „Nach so einem Tag kann ich nicht einfach heimgehen, mich ins Bett legen, das Licht ausmachen und einschlafen“, erzählt die 36-Jährige in der Juni-Ausgabe des Magazins Reader’s Digest. Stattdessen sucht die ZDF-Frau nach einem 14-Stunden-Arbeitstag voller Hektik ihre ganz eigene Art des Abschaltens: „Manchmal setze ich mich zu Hause hin und zappe das Fernsehprogramm rauf und runter, schaue mir irgendeinen Blödsinn an oder werfe mir eine Packung Spaghetti in den Topf.“
Seit vier Jahren moderiert Slomka das ZDF-heute-journal, sie gilt als eine der charmantesten und kompetentesten TV-Frauen in Deutschland. Ihre Sprache ist schnörkellos. Selbst schwierige Inhalte transportiert sie verständlich. Bei manchen Politiker haben ihre Interviews den Ruf von Kreuzverhören. Gegenüber Reader’s Digest verrät sie ihre Strategie: „Ich überlege mir vorher, was ich wissen möchte. Dabei spiele ich Fragen und mögliche Antworten einmal durch und stimme meine Fragen darauf ab.“ Im Interview selbst versuche sie dann, mit den Politikern eine Art Pingpong zu spielen: „Denn das Nachfragen kann viel spannender sein als eine weitere Frage, selbst auf die Gefahr hin, dass man keine Antwort bekommt.“
So energisch sie als Moderatorin auf dem Bildschirm agiert, so sensibel ist sie selbst. „Ich frage mich gelegentlich: Was kommt als Nächstes? Schlimmer kann es doch nicht mehr werden“, sagt sie rückblickend auf Ereignisse wie die Anschläge vom 11. September, das Massaker in der Schule von Beslan oder die Tsunami-Katastrophe. Vor allem der Irak-Krieg und die bekannt gewordenen Videos über Enthauptungen von Geiseln haben Slomka schwer zu schaffen gemacht. „Ich sehe ohnehin nicht gerne Filme, von denen ich weiß, dass sie grausam und blutig sind. Was ich aber in diesen Videos gesehen habe, hat mein Vorstellungsvermögen gesprengt. Das ist ein Albtraum.“ Immer wieder musste sich Slomka die Filme anschauen, um zu entscheiden, welche Szenen im „heute journal“ gesendet werden können und welche unveröffentlicht bleiben. Die Bilder haben sich jedoch „eingebrannt, weil die Realität jegliche Fantasie bei Weitem übertrifft“.
In moderationsfreien Wochen zieht sich Slomka, die einst Volkswirtschaft und Politik studierte, völlig zurück. Dann schläft sie lange, liest viel, trifft sich mit Freunden oder verbringt die Zeit mit ihrem Mann, dem RTL-Moderator Christof Lang. „An solchen freien Tagen kann ich meine Betriebstemperatur sehr gut runterfahren. Da muss ich auch nicht immer jede einzelne Nachrichtensendung gesehen haben“, gibt Slomka zu.
Vor allem der Tauchsport ist längst zu ihrer großen Leidenschaft geworden. Mindestens einmal jährlich fliegt sie in den Tauchurlaub. „Ich tauche furchtbare gerne. Am liebsten den kleinen bunten Fischen hinterher.“ In der Tiefe schöpft Slomka die notwendige Kraft für den Alltagsstress: „Tauchen hat was ganz Meditatives. Da unten herrscht eine wunderbare Stille.“
Für weitere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Juni-Ausgabe von Reader’s Digest ist ab 30. Mai 2005 an zentralen Kiosken erhältlich.
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