Stuttgart, 25. Mai 2003. Patricia Kaas, der große französische Chansonstar,
hat ihre Karriere als Sängerin ihrer Mutter gewidmet - und wesentlich zu
verdanken. Die 36-Jährige sagt in einem Interview mit dem Magazin Reader's Digest (Juni-Ausgabe): "Ich war sehr abhängig von ihr." Weswegen ihre
Freundinnen sie in jungen Jahren auch "Mamas Töchterchen" nannten, wie
Kaas freimütig bekennt.
Als sich 1988 für Patricia Kaas mit Mademoiselle chante le blues die ersten
Erfolge einstellten, starb ihre Mutter. Heute erzählt sie, was ihr die Mutter
noch mit auf den Weg gegeben hat: "Ich sähe es gerne, dass etwas Großes
aus dir wird, bevor ich sterbe." Patricia wollte sich ihrer Mutter zuliebe
ranhalten und ging nach Paris. Die im lothringischen Forbach nahe der
Grenze zu Deutschland geborene Sängerin sagt über die damailige Zeit: "Ich
tat alles, um erfolgreich zu sein. Außer mit jemandem schlafen!"
Kaas kam über den Verlust ihrer Mutter nur schwer hinweg: "Ich lebte lange
Zeit in ihrem Schatten. Ständig fragte ich mich, was ihr wohl gefallen hätte."
Die Antwort gab die junge Frau auf eine ganz eigenwillige Art: Sie begann
eine Tournee mit 250 Konzerten. "Das strengte mich sehr an, aber es half mir
weiterzuleben", sagt sie heute.
Dabei hatte sie schon zu Kindeszeiten in Frankreich gelernt, sich
durchzusetzen. Mit acht Jahren stand sie bei einer Karnevalsveranstaltung
erstmals auf der Bühne. Sie gewann einen Gesangswettbewerb und erhielt
als Preis eine Packung Bonbons. "Die Bühne war eine Art Lieblingsspielzeug",
erinnert sie sich. Von dieser Beschäftigung ließ sie nicht mehr los. Mit neun
Jahren sang die kleine Kaas fast jeden Samstagabend auf einem Ball oder
einem Bierfest.
Mit dem Geld, das sie sich dabei verdiente, suchte sie sich in
Versandhauskatalogen die Kleidung für die nächsten Auftritte aus. Danach
ging es Schlag auf Schlag: Mit 13 Jahren wurde sie vom Cabaret
"Rumpelkammer Club" in Saarbücken engagiert, mit 14 verließ sie die Schule.
Während sich die Klassenkameradinnen über Themen wie erster Kuss oder
erste Zigarette unterhielten, hatte Patricia Kaas ein ganz anderes Ziel: "Mich
interessierte nur das Singen." Dies war genau jene Zeit, in der die Beziehung
zu ihrer Mutter noch enger wurde, war sie doch die wichtigste Begleiterin in
der noch jungen Karriere.
Patricia Kass wird inzwischen auf eine Stufe mit französischen
Chansongrößen wie Edith Piaf und Charles Aznavour gesetzt. Mittlerweile ist
sie auch als Schauspielerin erfolgreich, so in dem Film 'And now... Ladies and
Gentleman'. Und die Fans sind begeistert von ihr - egal ob auf der Bühne
oder im Kino.
Ein Wunsch hat sich für die Künstlerin mit der rauchigen Stimme noch nicht
erfüllt: ihr Wunsch nach einem Kind. "Ich leugne es nicht, der Wunsch ist da",
sagt sie, "ich stamme aus einer kinderreichen Familie". Nur zu gut weiß
Patricia Kaas aber, was aus ihrem aufrichtigen Geständnis wird: "Das
Problem ist, dass hinterher eine Schlagzeile daraus wird."
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