Stuttgart, 24. Januar 2005. Bundesfamilienministerin Renate Schmidt lehnt ein soziales Pflichtjahr für alle ab. Der Ruf danach wird in der Diskussion um die Abschaffung der Wehrpflicht und der dann zwangsläufigen Einstellung des Zivildienstes immer wieder laut.
Im Interview mit Reader’s Digest (Februar-Ausgabe) sagte die SPD-Politikerin: „Ein soziales Pflichtjahr ist keine Lösung.“ Verfassungsrechtliche Gründe sprächen dagegen wie auch internationale Verträge. „Aber viel wichtiger: Es ist auch ganz praktisch unsinnig“, so Schmidt: „Ein solcher Pflichtdienst würde arbeitsmarktneutral für zirka 80 000 junge Menschen nicht durchführbar sein und jährlich rund 8 Milliarden Euro kosten.“ Dieses Geld könne man sinnvoller und direkter im sozialen Bereich investieren, zum Beispiel einen Bruchteil davon in Freiwilligendiensten nicht nur für junge Menschen, sondern für alle Generationen.
Die Ministerin würdigte zugleich das ehrenamtliche Engagement in Deutschland. Dies sei „der soziale Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält“. Die Menschen, die sich ehrenamtlich engagierten, machten „unsere Gesellschaft reicher und wärmer. Sie warten nicht auf den Staat, sie tragen dazu bei, dass unsere Gesellschaft lebendig und innovativ bleibt“, sagte Schmidt gegenüber Reader’s Digest. Das Magazin hat zum zweiten Mal nach 2004 die mit 2500 Euro dotierte Auszeichnung „Ehrenamt des Jahres“ ausgelobt. Der Preisträger wird zwischen dem 27. Januar und 18. März 2005 von den Leserinnen und Lesern gewählt (www.readersdigest.de).
Die Ministerin appellierte in dem Interview an ein verstärktes Miteinander der Menschen: „Ich würde mir noch mehr Generationen übergreifendes Engagement wünschen.“ Dabei gehe es darum, dass ältere Menschen ihre Erfahrungen an die junge Generation weitergeben, die Jüngeren wiederum den Älteren im Alltag helfen. „Hier sehe ich noch ein ausbaufähiges Betätigungsfeld für Jung und Alt“, so Schmidt.
Reader’s Digest stellt Monat für Monat unter dem Motto Miteinander – Füreinander ehrenamtlich tätige Menschen vor, und zwar auf der Rückseite des Magazins. „Das sind Menschen, die ohne viel Aufhebens ihre freie Zeit und nicht selten auch Geld opfern, um ihren Mitmenschen zu helfen, Mut zu machen oder einfach nur für sie da zu sein“, erklärt Chefredakteur Andreas Scharf die Initiative, mit der Reader’s Digest für das Ehrenamt, für bürgerschaftliches Engagement und Gemeinsinn wirbt. Die Leserinnen und Leser des Magazins sind nun aufgerufen, aus zwölf Kandidaten das „Ehrenamt des Jahres 2005“ zu wählen.
Für weitere Informationen zu diesem Reader’s Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die Februar-Ausgabe von Reader’s Digest ist ab sofort an zentralen Kiosken erhältlich.
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