Stuttgart, im April 2003. Im Film ist er der umjubelte Star, der
Frauenschwarm, der "Mann für gewisse Stunden". Privat gibt sich Richard
Gere beinahe schüchtern: "Eigentlich will ich immer nur auf mein Zimmer
gehen, die Tür zumachen und für mich sein", sagt der US-Schauspieler im
Interview mit Reader's Digest (Mai-Ausgabe) und: "Dass mein Leben so
verlaufen ist, kann ich immer noch nicht glauben."

 

Neugierig ist er geblieben und bescheiden: "Ich bin immer Anfänger, egal,
was ich mache." Diese Eigenschaft bedeutet ihm viel: "Wenn einem die
verloren geht, steht man still." Schauspieler freilich wollte er immer werden.
Als Gere seine erste Rolle im Theater bekam, dachte er: "Jetzt beginnt mein
Leben." Es sei keine Überraschung für ihn gewesen, "es war einfach der
Startschuss".

 

Inzwischen spielt seine Familie, vor allem sein dreijähriger Sohn Homer, eine
zunehmend wichtige Rolle: "Egal, was ich tue, welche Entscheidung ich treffe: Ich
denke immer darüber nach, wie es sich auf ihn auswirkt." Gere,
praktizierender Buddhist, achtet bei der Erziehung des Kindes auf die
Grundsätze seines Glaubens: "Wenn Sie wollen, dass Ihr Kind etwas
Besonderes wird, müssen Sie es selbst sein: großmütig, freundlich, liebevoll,
verzeihend."

 

Der Star, der als eines von fünf Kindern auf einer Farm im US-Bundesstaat
New York aufwuchs und gleich nach dem College mit der Bühnenkarriere
begann, hat sich seit Jahren dem Buddhismus verschrieben. Der erste
Kontakt mit der fernöstlichen Religion geschah auf einer Nepal-Reise 1978.
Danach unterstützte der Schauspieler immer wieder den Dalai Lama. Mit der
"Bereitschaft, sogar die Vorstellung des eigenen Ichs in Frage zu stellen",
begründet Richard Gere seine Faszination für den Buddhismus. Er half ihm
auch, nach dreijähriger Ehe über die Scheidung mit Cindy Crawford
hinwegzukommen.

 

Und der Buddhismus war es schließlich, der ihn mit seiner zweiten Frau Carey
Lowell, der Mutter des kleinen Homer, zusammenbrachte. Immer wieder
preist Gere bei Auftritten die Lehre des Dalai Lama. Seine Erkenntnis: "Alles,
was ich tue, um mich selbst zu bereichern, macht mir Kummer. Aber alles,
was jemand anders glücklich und zufrieden macht, macht auch mich
glücklich."

 

Jetzt läuft in den Kinos Geres neues Projekt mit dem Titel Chicago an - eine
Musicalverfilmung, in der er als Rechtsanwalt Billy Flynn singt und tanzt. Seine beiden Filmpartner: Catherine Zeta-Jones und Renée Zellweger. Gegenüber
Reader's Digest verrät Gere, wie sehr er für die Tanzszenen im Film hat
arbeiten müssen. Zu Beginn habe er keinerlei Verbindung zu seinen Füßen
gehabt. "Die ersten Wochen waren grausam, doch nach einem Monat fing ich
einfach an zu tanzen." Stück für Stück kam dann der Fortschritt beim
Steppen. "Man konzentriert sich stark und kommt furchtbar ins Schwitzen. Ich war immer klatschnass." Dabei hat der Hollywood-Star von den Eltern die
musische Begabung vererbt bekommen. Die Mutter spielte Klavier und
Klarinette, der Vater beherrschte die Trompete.

 

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