Stuttgart, im Januar 2002. Im Zusammenhang mit dem wachsenden Markt
der Schönheitsoperationen zeichnet sich unter Experten in Deutschland ein
Streit um die Rechtfertigung für solche Eingriffe ab. Hans Rudolph,
Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Plastische und
Wiederherstellungschirurgie, übt scharfe Kritik an Kollegen: "Wenn durch
Schönheitsoperationen aus primär gesunden Menschen Patienten werden,
widerläuft das dem Ärztegelöbnis", schreibt er in einem Beitrag für das
Monatsmagazin Reader's Digest (Februar-Ausgabe). Constance Neuhann-
Lorenz, Präsidentin der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen
Chirurgen, hält in ihrem Beitrag dagegen: "Die Aufregung um die
Schönheitschirurgie lässt vergessen, dass der Wunsch nach besserem
Aussehen so alt ist wie die Menschheit selbst."

 

Ob in Fernsehsendungen, Frauenzeitschriften oder in der Werbung: Überall
wird über die kosmetische Chirurgie berichtet. Das Angebot reicht vom
Fettabsaugen über das Facelifting bis zu Brustvergrößerungen,
Lidstraffungen oder der Faltenglättung. "Doch ist alles auch ethisch
vertretbar?", fragt Rudolph und erinnert an die Worte im Ärztegelöbnis des
Weltärztebundes: "Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und
Würde ausüben. Die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit meiner
Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein." Rudolph wirft manchen
Medizinern vor, dieses Berufsethos aus finanziellen Gründen zunehmend zu
missachten: "Denn die Schönheit ist ein Markt, auf dem sich trefflich
verdienen lässt." Während plastische Operationen als Folge von Unfällen
oder Krankheiten unbestritten seien, dürfe "der Schönheitswahn" nicht dazu
führen, dass einem 13-jährigen Mädchen die Brust mit Silikon vergrößert und
einer 81-Jährigen das Gesicht geliftet werde. "Wenn Eingriffe nur das Alter
vertuschen oder Körperformen al gusto verändern, besteht keine
medizinische Notwendigkeit", mahnt Rudolph.

 

Die wahre Schönheit also nur noch als Ware Schönheit? Seine Kollegin
Neuhann-Lorenz sieht das anders. "Die nächsten Jahrzehnte gehören dem
Entertainment- und Gesundheitszeitalter, in dem die Schönheit als Kult
dominiert", meint die Medizinerin in Reader's Digest zur wachsenden
Nachfrage nach Schönheitsoperationen. Dabei wehrt sie sich gegen
Vorurteile. "Erst nach dem Gespräch, erst wenn ich weiß, dass der
Leidensdruck übergroß ist, erst dann operiere ich", sagt sie über die Routine-
Vorbereitung mit dem Patienten. Neuhann-Lotenz fühlt sich jedenfalls durch
die Rückmeldungen nach den Eingriffen bestätigt: "Wir verhelfen den
Menschen zu einem kleinen bisschen Glück."

 

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