Stuttgart, im Mai 2002. Die deutsche Politik und Wirtschaft muss nach
Auffassung von Unternehmerin Britta Steilmann mehr dafür tun, damit Frauen sowohl im Beruf als auch in der Familie erfolgreich sein können. "Bund, Städte
und Gemeinden sollten mehr Angebote für berufstätige
Familienmanagerinnen schaffen. Das reicht vom Ganztageskindergarten über
Ganztagesschulen bis hin zur Möglichkeit, Haushaltshilfen von der Steuer
abzusetzen", fordert die erfolgreiche Unternehmerin in einem Beitrag für das
Magazin Reader's Digest (Juni-Ausgabe).
Steilmann, Jahrgang 1966, gehört laut dem US-Magazin Fortune zu den 50
mächtigsten Frauen außerhalb der USA. Und die ehemalige "Ökomanagerin
des Jahres" (Capital, 1993), die seit Jahren für moralische Führungskonzepte plädiert, hält in dem Beitrag nicht mit Kritik an den bestehenden Zuständen
zurück. "Staat und Betriebe müssen Frauen den Boden für ihren beruflichen
Erfolg bereiten. Hier hinkt Deutschland mit dem Drang, Dinge zu regulieren,
anderen europäischen Arbeitsmärkten hinterher." Steilmann beklagt vor
allem die bürokratischen Hindernisse. Obwohl 68 Prozent der
Akademikerinnen, also potenzielle Führungskräfte in Deutschland, Kinder
hätten, dürften Betriebe nur unter hohen staatlichen Auflagen nötige
Betriebskindergärten gründen. Steilmann fordert deshalb eine Abkehr von
starren Strukturen und den Willen zu mehr Innovationen: "Das Einrichten von
Heimbüros mit flexiblen Arbeitszeiten ist ein Zukunftsinstrument." So etwas
sei nötig, so Steilmann, "damit sich der Staat und die Betriebe das Kapital
Frau nicht entgehen lassen".
Schon jetzt sieht Steilmann, die nach dem Studium 1987 im väterlichen
Bekleidungskonzern in Bochum eintrat, 1999 die Firma wegen interner
Streitigkeiten verließ, zwei Jahre später aber als Geschäftsführerin
zurückkehrte, ihr Geschlecht auf dem Vormarsch. Zwar gebe es derzeit in
Deutschland nur eine Minderheit von Frauen in Führungspositionen, auf
Dauer werde aber jeder zweite Chef weiblich sein. "Die Quote könnte die 50-
Prozent-Marke sogar noch deutlich überschreiten", glaubt Steilmann. "Frauen
verfügen über emotionale Stärken und sind oft sachorientierter als Männer."
In diesem Zusammenhang fordert Steilmann im Beitrag für Reader's Digest
ihre Kolleginnen zu mehr Mut auf. "Wenn Frauen eine Führungsposition
wollen, dann müssen sie sich bewusst der Verantwortung stellen und sie
übernehmen." Dazu gehöre dann aber, im Arbeitsalltag ebenso hart zu
entscheiden und Konflikte auszutragen wie die männlichen Kollegen dies tun.
"Frauen, die nach oben wollen, rate ich: Analysieren Sie Ihre Stärken und
Schwächen. Suchen Sie den Erfolg. Führen Sie offen und klar, lösen Sie
Probleme im Team."
Zumindest an einem Punkt sieht die Unternehmerin, die eine der jüngsten
Trägerinnen des Bundesverdienstkreuzes ist, im eigenen Lager
Verbesserungsbedarf. Frauen, so Steilmann, hätten nach wie vor Probleme
damit, ihre Erfolge so sichtbar wie ein Mann zu kommunizieren. Sie fordert
deshalb die Frauen auf, mehr Selbstbewusstsein zu zeigen, Kompetenzen zu
betonen, sich in strittigen Fragen durchzusetzen - aber das mit allen Risiken,
die aus dieser wachsenden Gleichberechtigung erwachsen: "Sie muss sich
aber auch darüber im Klaren sein, dass ihr im Falle eines Scheiterns mit der
gleichen Härte entgegengetreten wird wie ihren Kollegen."
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