Stuttgart, im Juni 2002. Ein altes Sprichwort besagt: Wer eine Reise tut, kann
was erzählen. Wie aber verhält man sich richtig fernab der Heimat, welche
Traditionen und Umgangsformen der Gastgeber sind zu beachten? Das
Magazin Reader's Digest gibt - rechtzeitig zur Urlaubszeit - in seiner Juli-
Ausgabe Ratschläge fürs richtige Verhalten in fremden Ländern. Auf den
Punkt gebracht: Das größte Maß an Peinlichkeit liegt in falscher Kleidung.
Unter dem Motto "Stilsicher um die Welt" wird den Lesern ein Streifzug durch
die guten Sitten aus über 30 Ländern angeboten. In den meisten Fällen gilt
das Motto: Der Gast sollte sich erstmal zurückhalten. So empfiehlt es sich in
Spanien nicht, über den Sinn oder die Grausamkeit von Stierkämpfen zu
diskutieren. Wer im Nachbarland Portugal nach Gesprächspartnern sucht,
dem gelingt dies am ehesten über das Thema Fußball. In Großbritannien
zählen dagegen ganz andere Dinge. Eines der wichtigsten Prinzipien: Nie
vordrängeln, sondern diszipliniert Schlange stehen. Weiter nördlich in Europa
stehen wiederum andere Werte im Vordergrund: So sind die Schweden große
Verfechter von Pünktlichkeit. Wer in Finnland von seinem Gastgeber in die
Sauna eingeladen wird, darf dies als Zeichen der Hochachtung interpretieren.
Aber auch in Mitteleuropa gibt es Regeln, die man beachten sollte, um den
Tritt ins Fettnäpfchen zu vermeiden. Wer mit eingefleischten Schweizern
Kontakt hat, sollte die Eigenständigkeit des Landes nie in Zweifel ziehen -
trotz oder wegen der aktuellen Diskussion um einen Beitritt zur EU. Wer in
Italien zum Essen eingeladen wird, muss viel Zeit mitbringen. Hier gilt die
Grundregel: Niemals durch ein Abendessen hetzen, das nimmt dem
Gastgeber die Ehre. Andere Länder, andere Sitten, das gilt auch für
Osteuropa. In Polen wird seit jeher großer Wert auf gediegene
Umgangsformen gelegt, in Ungarn ist der Handkuss seit jeher in Mode (jetzt
auch wieder bei Politikern). Und wer in Bulgarien mit Einheimischen spricht,
sollte folgendes beachten: Nicken heißt Nein, Kopfschütteln bedeutet
Zustimmung.
Ganz andere Gepflogenheiten gilt es in der arabischen Welt zu beachten.
Gerade dort ist die richtige Bekleidung besonders wichtig. Grundregel: Lieber
mehr als zu wenig anziehen. Trotz großer Hitze muss die Haut bedeckt sein,
am besten mit feinen Stoffen. Denn leicht bekleidete Frauen werden schnell
in die Nähe von Prostituierten gerückt. Für männliche Reisende gilt: Kein
Blickkontakt zu verschleierten Frauen.
In Indien und Japan hingegen heißt es: Schuhe ausziehen, wenn man ein
Haus oder eine heilige Stätte betritt. Und in China? Dort sollte man auf jeden
Fall stets einen Stapel Visitenkarten bei sich haben. Sie werden als eine Art
Ankunftsgeschenk verteilt. Aber Achtung: Wer eine Karte von seinem
Gegenüber erhalten hat, muss sie sorgsam in die Brieftasche oder den
Geldbeutel stecken, darf sie also auf keinen Fall achtlos in die Hosentasche
stopfen. Das würde den Gastgeber beleidigen.
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