Stuttgart, im Oktober 2002. Er ist der Held schöner Frauen und der Freund
schneller Autos. Aber im Privatleben passt die Rolle von James Bond gar nicht zu Pierce Brosnan. In einem Interview mit dem Magazin Reader's Digest
(November-Ausgabe) offenbart der 49-jährige Schauspieler jetzt erstmals
ungewohnte Schwächen. "Ich verdiene gutes Geld und genieße das auch,
aber ich war schon oft so gut wie pleite." In diesem Monat läuft der neue
Bond-Film in den Kinos an. Titel: "Die Another Day" ("Stirb an einem anderen Tag").
Es ist der vierte Streifen, in dem Brosnan den Geheimagenten 007 spielt. Und er fühlt sich wohl in dieser Aufgabe: "Ich bin mit James Bond-Filmen
aufgewachsen. Die Rolle liegt mir einfach." Doch abseits der Kameras erkennt man den Frauenschwarm kaum wieder. "Ich bin nicht dieser Macho. Ich
denke, es wäre ziemlich lustig, mich mal einen Tag lang zu beobachten.
Wirklich, ich bin alles andere als Bond", berichtet Brosnan in dem Interview
und erzählt zum Beweis, wie er jüngst mit einem geliehenen Porsche vor
einem Kiosk anhielt, um Kaugummis und Zigaretten zu kaufen. "Gerade habe
ich ein paar Fremde gegrüßt, die mich für James Bond halten, will mich lässig
in den Wagen setzen und losfahren - und würge den Motor ab."
Was viele Fans nicht wissen: Der ansonsten so coole Brosnan hat eine
schwere Kindheit hinter sich. Seine Eltern trennten sich, als er noch ein Baby
war. Der Vater, ein Zimmermann, kümmerte sich fast 30 Jahre nicht um den
Sohn. Und die Mutter ließ das Kind bei Verwandten zurück, um in London eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen. Erst mit elf Jahren durfte er
von Irland nach Großbritannien nachkommen - und sah als seinen ersten
Farbfilm den Bond-Klassiker "Goldfinger". Ab diesem Moment wollte Pierce
Brosnan nur noch Schauspieler werden. Er brach die Schule ab, heuerte als
Feuerschlucker bei einem Zirkus an und gab schließlich 1976 in London sein
Debüt als Schauspieler.
1991 dann ein erneuter Schicksalsschlag: Seine erste Frau, die australische
Schauspielerin Cassandra Harris, die ihm den Kontakt zu den Produzenten
der Bond-Filme verschafft hatte, starb an Krebs. Plötzlich stand Brosnan als
allein erziehender Vater mit drei Kindern da: zwei aus der ersten Ehe seiner
Frau, dazu der gemeinsame Sohn Sean. 1994 lernte er schließlich die
Fernsehjournalistin Keely Shaye Smith kennen. Mit ihr hat er mittlerweile zwei
Kinder: den fünfjährigen Dylan und den 20 Monate alten Paris. Und um diese
Familie kümmert sich Brosnan, der in Malibu im Norden von Los Angeles lebt, so oft er nur kann. "Ich möchte einfach für meine Kinder da sein, weil man
Vater für mich nicht da war", sagt der private 007: "Meine Kinder sollen Liebe
erfahren, solange sie jung sind, um zu wissen, was Liebe wirklich bedeutet."
Nicht von ungefähr engagiert sich Brosnan deshalb zusammen mit seiner
Frau für Umweltthemen und Gesundheitsvorsorge für Kinder. "Ich möchte,
dass meine Kinder noch sauberes Wasser trinken, saubere Luft atmen und
an einem sicheren Ort leben können", begründet seine Frau Keely Shaye
Smith im Interview mit Reader's Digest ihr gemeinsames wohltätiges
Engagement. Müsste er sich entscheiden, ob er gegen das Böse kämpfen
oder lieber zu Hause bleiben möchte, würde der Ehemann daheim bleiben,
malen und Tomaten ernten. Aber so ganz kann und will der Superstar dann
doch nicht auf die Schauspielerei verzichten. "Man hat mir gesagt, die Rolle
gehört mir, so lange ich sie will. Ja, ich würde gerne noch einen drehen",
verrät Brosnan seine Wünsche nach einem fünften Bond-Film, in dem er die
Hauptrolle spielt.
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