Stuttgart, im Mai 2002. Bruce Willis, einer der weltweit erfolgreichsten
Schauspieler, hat sich als Anhänger von US-Präsident George Bush geoutet.
"Ich finde, er macht seine Sache sehr gut", sagt Willis in einem Interview mit
dem Magazin Reader's Digest (Juni-Ausgabe). Vor allem die Personalauswahl des amtierenden republikanischen Staatsoberhauptes hat es dem 47-
jährigen Kinohelden angetan. Seine Lieblinge in der Regierungsmannschaft
sind Außenminister Colin Powell und Vizepräsident Dick Cheney. Kommentar
von Willis: "Mich freut, dass er (Bush) so klug war, sich wirklich brillante Leute herzuholen." Bruce Willis, dessen neuer Film Das Tribunal Ende Mai in den
deutschen Kinos anläuft, gibt sich in dem Gespräch als durch und durch
politischer Mensch. "Ich bin der Überzeugung, der Staat sollte weniger in
unser Leben eingreifen. Diese enorme Bürokratie muss doch nicht sein."
Zugleich gewährt der Liebling vieler Leinwandfans ungewöhnliche Einblicke in
sein Privatleben. "Zwischen meinem zehnten und 18. Lebensjahr habe ich
schrecklich gestottert." Schließlich halfen ihm die ersten Gehversuche als
Schauspieler, um das Handicap zu überwinden. Als er während seiner High-
School-Zeit bei der Aufführung des Mark-Twain-Romans "Ein Yankee aus
Connecticut an König Artus' Hof" mitspielte, verschwand das Stottern, sobald
er die Bühne betrat - und es kam zurück, sobald das Publikum nicht mehr da war. Frei nach dem Motto: "Ich stottere zwar, aber wenn ich euch zum
Lachen bringen kann, merkt ihr's vielleicht nicht so", wie Willis nun im
Rückblick erzählt.
Dass er mit Schauspielerei sein Geld verdienen will, erlebte er dennoch erst
Jahre später - als er aufs College in New Jersey kam und in der
Theaterabteilung eine Rolle in Einer flog über das Kuckucksnest erhielt. "Das
ist es, das ist meine Welt. Ich hab's nie bereut", sagt Willis heute: "Es gefällt mir, Menschen zu unterhalten." Der Film und die Bühne haben ihn seitdem
nicht mehr losgelassen. "Jeder Film bedeutet für mich eine ganz neue
Gestalt, eine ganz andere Muskelpartie, eine völlig neue Bewährungsprobe."
1988 hatte Bruce Willis seinen Hollywood-Durchbruch mit dem Action-Streifen
Stirb langsam erlebt. In seinem neuen Film Das Tribunal spielt er eine ganz
andere Rolle. Als US-Oberst in einem deutschen Kriegsgefangenenlager will
er seine Sache so gut wie möglich machen, als unter seinen Leuten plötzlich
ein schwerer Konflikt ausbricht. Es geht um Rassismus, Pflicht und Ehre.
Doch der Schauspieler Bruce Willis will nicht gleich gesetzt werden mit dem
Privatmann Bruce Willis: "Das eine ist eine Form der Unterhaltung, das
andere ist das wirkliche Leben." Er glaubt, dass das Publikum den
Unterschied kennt. "Aus Actionfilmen geht doch niemand raus in dem
Glauben, da sei tatsächlich jemandem Gewalt angetan worden. Es ist ja
lange und intensiv diskutiert worden, wie Gewalt im Film zu realer Gewalt
führt; aber ich glaube einfach nicht, dass das zutrifft."
Im Beruf der harte Held, im Privatleben der fürsorgliche Vater, der
abgeschieden vom großen Scheinwerferlicht im kleinen Ort Hailey im US-
Bundesstaat Idaho lebt: So gibt sich Willis auch in dem Gespräch mit
Reader's Digest. "Liebe und Ehe sind wie ein Garten, der tagtäglicher Pflege
bedarf", beschreibt er seine Grundeinstellung zur Partnerschaft. 13 Jahre war
er mit Schauspieler-Kollegin Demi Moore verheiratet, ehe die Ehe im Herbst
2000 geschieden wurde.
Eine Tatsache, die das Verhältnis der beiden zueinander und zu den drei
Kindern Tallulah Belle, Scout LaRue und Rumer Glenn offenbar nicht verändert
hat. "Wir sprechen über die Kinder und was auf sie zukommt. Wir erziehen
unsere Kinder weiter gemeinsam." Und obwohl das Paar durch die ständige
Beobachtung der Boulevard-Presse eine "sehr öffentliche Ehe" geführt hat,
will Willis die Zeit und vor allem die Erfahrungen mit seinen Kindern nicht
missen. "Ich konnte mehr Liebe zulassen, weil Kinder das in mir zum
Vorschein bringen. Ich würde mich für meine Kinder vor ein Auto werfen, bin
mir aber nicht sicher, ob ich das auch für jemand anderen tun würde, der mir
nahe steht."
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