Stuttgart, 5. Juli 2010 – Yehudi Menuhin galt früh als Wunderkind, mit 15 Jahren hatte er bereits als Solist mit allen wichtigsten Dirigenten und Orchestern Amerikas und Europas musiziert. Als Weltbürger und Humanist setzte er sich mithilfe der Musik rund um den Globus für Menschlichkeit und soziale Gerechtigkeit ein – von ihm initiierte Stiftungen, Festivals und Wettbewerbe für Nachwuchsmusiker tragen seinen Namen und erinnern bis heute an den größten Geiger des 20. Jahrhunderts. Die nun veröffentlichte Kollektion Yehudi Menuhin – Der Geiger des Jahrhunderts von Reader’s Digest präsentiert rund 50 seiner schönsten Einspielungen aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren mit einer Gesamtspieldauer von knapp fünf Stunden. Dabei sorgen bekannte Meisterwerke wie Mendelssohns Violinkonzert e-Moll, Beethovens „Frühlingssonate“ und auch hochvirtuose Werke wie beispielsweise Paganinis Violinkonzert „La Campanella“ oder Saint-Saëns „Introduction und Rondo capriccioso“. Eine farbige Begleitbroschüre zeichnet das Leben des großen Violinisten und Humanisten nach.
Yehudi Menuhin wurde 1916 in New York als Sohn russisch-jüdischer Eltern geboren. 1929, mit knapp dreizehn Jahren, erlangte er Weltruhm durch ein legendäres Konzert in der Berliner Philharmonie, als er die drei Violinkonzerte von Bach, Beethoven und Brahms unter Bruno Walter spielte. Von da an wurde er als Wunderkind und Jahrhundertgeiger gefeiert – und verbrachte ein Großteil seines Lebens auf Konzertreisen. Er lebte lange in Paris, in der Schweiz und in England. Menuhin verstand Musik nicht nur als Kunst, sondern als einen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft: „Der Name Menuhin steht für die Verständigung zwischen Menschen aller Kontinente – durch die Sprache der Musik!“, schreibt die Musikredaktion von Reader’s Digest in der Begleitbroschüre.
So konzertierte Menuhin für Schwarzafrikaner in Südafrika während der Apartheid und kämpfte in der Sowjetunion gegen die Berufsverbote, denen befreundete Musiker wie Rostropowitsch, Oistrach oder Schostakowitsch ausgesetzt waren. Nach dem 2. Weltkrieg trat er als erster jüdischer Musiker wieder in Deutschland auf, was in der deutschen Öffentlichkeit als eine große Geste der Versöhnung verstanden wurde. 1977 gründete er die humanitäre Organisationen Live Music Now, die mit kostenlosen Konzerten Musik zu Menschen in Altersheimen, Krankenhäusern oder Gefängnissen bringt.
Zur Förderung des Nachwuchses rief er 1983 den "Yehudi Menuhin International Competition for Young Violinists" ins Leben. Julia Fischer gewann diesen Wettbewerb 1995, unter Menuhins Leitung. Erwähnenswert ist auch die Yehudi Menuhin Stiftung, die Kinder in sozialen Brennpunkten mithilfe der Musik in ihrer Kreativität und ihrer Ausdrucksfähigkeit fördert.
Menuhin wurde für seine Kunst und sein Engagement mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, unter anderem erhielt er 1979 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. In späteren Jahren war Menuhin auch als Dirigent tätig – 1982 wurde er Chefdirigent des Royal Philharmonic Orchestra. Der Musiker starb auf einer Tournee, am 12. März 1999 in Berlin. Er lebt weiter in seinen Projekten – und natürlich in seinen unzähligen Aufnahmen.
Von Bach bis Saint-Saëns – fünf Stunden Musikgenuss vom Feinsten
In der nun vorliegenden Musiksammlung erlebt der Hörer Yehudi Menuhin in vielen seiner Facetten. Zu hören ist er vor allem als Solist vieler Konzerte für Solovioline und Orchester, so im Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847), in einer Aufnahme von 1952 mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler. Bewundernswert ist Menuhins Virtuosität im Konzert von Niccoló Paganini „La Campanella“ von 1961 und im „Rezital“ im zweiten Teil der ersten CD oder auch in der Aufnahme des „Hummelflugs“ von Rimski-Korsakow.
In der Doppelrolle des Solisten und Dirigenten erlebt der Hörer Menuhin beispielsweise in Mozarts viertem Violinkonzert D-Dur auf der zweiten CD. Als Kammermusiker im Kreise seiner Freunde spielt Menuhin auf der vierten CD das Klavierquartett von Mozart, seine Schwester Hepzibah übernimmt den überaus schwierigen Klavierpart. Ebenfalls mit seiner Schwester spielte Menuhin Beethovens heitere „Frühlingssonate“ ein.
Anfang der 80er-Jahre krönte Menuhin seiner Solokarriere mit Aufnahmen mit dem Polnischen Kammerorchester unter der Leitung von Jerzy Maksymiuk. Hier spielt er die Violinkonzerte "La tempesta“ und „La caccia“ von Antonio Vivaldi (1680 - 1741). Weitere Titel, die Menuhins geigerische Spritzigkeit und Spielfreude unter Beweis stellen, sind Brahms Violinkonzert, Dinicus „Hora staccato“, Fritz Kreislers Präludium und Allegro im Stile von Pugnani, Bazzinis „La Ronde du Lutins“ oder Saint-Saëns’ Violinkonzert h-Moll.
Der Hörer erlebt hier Yehudi Menuhin auch als Bach-Interpret mit der dritten Solopartita E-Dur. Dieses Werk spielte der Weltgeiger in unzähligen Galas und Festivals, um Geld für karitative Projekte rund um den Globus zu sammeln.
Fazit
Mit rund 50 Aufnahmen aus der besten Schaffensperiode des Künstlers – darunter auch einige Raritäten – ist die CD-Kollektion Yehudi Menuhin – Geiger des Jahrhunderts ein beeindruckender Querschnitt durch das musikalische Vermächtnis Menuhins. Historische Aufnahmen wurden behutsam entrauscht, um höchste Klangansprüche zu gewährleisten.
Yehudi Menuhin – Der Geiger des Jahrhunderts, 4 CDs mit 50 Titeln und einer Gesamtspielzeit von rund fünf Stunden, Preis 49,90 Euro inkl. Versand (Deutschland/Österreich), Artikelnummer: 072 432.
Nur erhältlich direkt bei Reader’s Digest:
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